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Harold Greenwood

Harold Greenwood auf dem Weg zu seinem Prozess im Jahr 1920
unbekannter Pressefotograf, 1920, via Wikimedia Commons · Public Domain
1
Opfer
verstorben
TotschlägerKidwelly , Großbritannien
Aktive Jahre
1919
Modus Operandi
Vergiftung

Vier Monate nach dem Tod seiner Ehefrau stand bereits die nächste Hochzeit an. Das Gerede im walisischen Küstenstädtchen Kidwelly wurde so laut, dass die Behörden die Tote schließlich exhumierten, und tatsächlich fanden sich Spuren von Arsen in ihren sterblichen Überresten. Harold Greenwood, angesehener Anwalt und Familienvater, stand 1920 wegen Mordes an seiner Frau vor Gericht, einer der seltenen Fälle, in denen ein Jurist selbst auf der Anklagebank saß.

Werdegang

Er wurde 1874 in Yorkshire geboren, ließ sich als Solicitor ausbilden und zog 1898 mit seiner Frau Mabel und den gemeinsamen vier Kindern nach Kidwelly in Carmarthenshire, wo er sich als Rechtsanwalt niederließ. Die Familie lebte wohlhabend, mit eigenem Personal, und galt in der kleinen Gemeinde als angesehen.

Der Tod von Mabel Greenwood

Am 16. Juni 1919 klagte Mabel Greenwood nach einem Mittagessen mit Stachelbeerkuchen über Bauchschmerzen. Ihr Mann reichte ihr Brandy, was Erbrechen auslöste, ein herbeigerufener Arzt verabreichte zusätzlich Wismut und Morphium. In den frühen Morgenstunden des 17. Juni starb sie, der Arzt bescheinigte als Todesursache eine Herzerkrankung. Bereits vier Monate später heiratete ihr Witwer die deutlich jüngere Gwladys Jones, was im Dorf Argwohn weckte. Im Oktober 1919 ordneten die Behörden eine Exhumierung an, die Obduktion fand 0,25 bis 0,5 Grain Arsen in den sterblichen Überresten, eine Menge, die eine natürliche Todesursache unwahrscheinlich machte.

Prozess

Im November 1920 verhandelte das Gericht in Carmarthen den Fall. Verteidigt wurde der Angeklagte von Sir Edward Marshall Hall, einem der bekanntesten Strafverteidiger seiner Zeit, der die forensischen Beweise und die Aussage des Hausmädchens systematisch demontierte. Der entscheidende Moment kam mit dem Auftritt der eigenen Tochter des Angeklagten, der 22-jährigen Irene, die schwor, aus derselben angeblich vergifteten Weinflasche getrunken zu haben, ohne krank zu werden. Der Richter kommentierte daraufhin sinngemäß, damit sei der Fall im Grunde entschieden. Am 9. November 1920 sprach die Jury Harold Greenwood frei, hielt in ihrem Urteil aber ausdrücklich fest, dass Arsen verabreicht worden sei, nur eben nicht zweifelsfrei nachweisbar von wem.

Nachwirkungen

Nach mehr als vier Monaten in Untersuchungshaft kam er frei, sein Ruf war jedoch dauerhaft ruiniert. Er zog mit seiner zweiten Frau nach Sellack in Herefordshire, nahm dort den Namen Pilkington an und lebte zurückgezogen bis zu seinem Tod am 17. Januar 1929. Der Fall gilt bis heute als eines der bekanntesten Beispiele britischer Prozessgeschichte dafür, wie stark ein einzelner überzeugender Zeuge den Ausgang eines Indizienprozesses kippen kann, und wie wenig ein Freispruch mitunter über die tatsächliche Wahrheit hinter einem ungeklärten Todesfall aussagt.

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