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Hans-Jürgen Schröder

Fischotter-Skulptur in Norderstedt, einem der Orte der Mordserie von Hans-Jürgen Schröder
Christian Alexander Tietgen, via Wikimedia Commons · CC BY 4.0
5
Opfer
SerienmörderHamburg , Deutschland
Aktive Jahre
1969–1984
Modus Operandi
ErwürgenVergewaltigung

Die 88. ausgewertete Speichelprobe gehörte nicht Hans-Jürgen Schröder, sondern seinem Bruder. Gerade diese familiäre DNA-Übereinstimmung führte Ermittler 2011 zu fünf Tötungen zwischen 1969 und 1984. Beim Prozessauftakt dokumentierte das Hamburger Abendblatt das Geständnis, das vier zuvor nicht verbundene Fälle zusammenführte. Eine wissenschaftliche Fallübersicht in der Deutschen Nationalbibliothek bestätigt Urteil, Tatzeitraum und Zahl der Morde.

Werdegang

Hans-Jürgen arbeitete als Maurer und lebte später in Henstedt-Ulzburg. Nach außen führte er ein unauffälliges Leben als Ehemann, Vater und Hobbyfußballer. Das Kieler Landgericht stellte im Prozess fest, dass er schon als Jugendlicher sexuelle Gewaltfantasien entwickelte. Zwischen einzelnen Taten lagen ungewöhnlich lange Pausen: Nach drei Morden in den Jahren 1969 und 1970 heiratete er, 1972 tötete er erneut und erst zwölf Jahre später ein fünftes Mal.

Die fünf Morde

Die Opfer waren zwischen 15 und 22 Jahre alt und stammten aus dem Großraum Hamburg, Norderstedt und dem Kreis Segeberg. Hans-Jürgen begegnete ihnen zufällig. Vier Frauen erwürgte er mit den Händen und missbrauchte anschließend ihre Leichen. Beim letzten Mord am 3. Februar 1984 vergewaltigte er eine Schwesternschülerin und erdrosselte sie mit ihrem Schal.

Dass dieselbe Person hinter allen fünf Taten stand, war den Ermittlern jahrzehntelang nicht bekannt. Erst das spätere Geständnis verband die lange zurückliegenden Fälle miteinander. Der Täter machte dabei Angaben, die nach Auffassung der Ermittler nur der Verantwortliche kennen konnte.

Die DNA-Spur

Die Polizei nahm den ungeklärten Mord von 1984 erneut auf und untersuchte gesicherte biologische Spuren mit moderner Technik. Bei einer Reihenuntersuchung gaben etwa 150 Männer Speichelproben ab. Die 88. ausgewertete Probe stammte von einem Bruder des Täters und zeigte eine enge familiäre Übereinstimmung.

Die Spur führte im April 2011 zu Hans-Jürgen. Nach seiner Festnahme gestand er nicht nur den Mord von 1984, sondern vier weitere Taten aus den Jahren 1969, 1970 und 1972. Ohne diese Aussage wären die älteren Fälle nach Einschätzung der Ermittler möglicherweise ungeklärt geblieben.

Prozess

Vor dem Landgericht Kiel ließ der Angeklagte das Geständnis über seinen Verteidiger verlesen. Am 8. Februar 2012 wurde er wegen fünffachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte keine besondere Schwere der Schuld fest. Dabei berücksichtigte es vor allem, dass sein Geständnis vier zuvor nicht zugeordnete Morde aufgeklärt hatte.

Nachwirkungen

Der Fall zeigt, wie alte Tatortspuren Jahrzehnte später durch DNA-Technik und eine Verwandtenspur neue Bedeutung gewinnen können. Zugleich bleibt der lange Zeitraum zwischen den Taten auffällig. Der gerichtlich festgestellte Umfang ist klar: fünf Morde, die der Täter gestand und für die das Kieler Landgericht ihn verurteilte. Hinweise auf weitere Opfer sind nicht belastbar belegt und werden deshalb nicht in die Opferzahl aufgenommen. Eine aktuelle Vollzugsauskunft ließ sich nicht finden, deshalb bleibt der heutige Status offen.