Guy Martel
- Aktive Jahre
- 1985
- Modus Operandi
- Erschießen
Guy Martel, geboren am 11. Juni 1944 in Épiniac in der Bretagne, erschoss am 19. Juni 1985 innerhalb von drei Stunden sieben Menschen in mehreren Dörfern der Departements Ille-et-Vilaine und Côtes-d’Armor, darunter seinen eigenen Vater. Ein Gericht erklärte ihn wegen seiner psychischen Erkrankung für schuldunfähig, er wurde bis zu seinem Tod 2015 in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.
Werdegang
Er studierte Mathematik und Chemie und arbeitete zunächst als Lehrer, unter anderem in San José in Costa Rica, wohin er über den Militärdienst gekommen war. 1969 wurde er dort für drei Wochen von Guerilleros als Geisel genommen, bevor er nach Frankreich zurückgeführt wurde. Nach der Geiselnahme klagte er über chronische Schmerzen und eine vermeintliche Viruserkrankung. 1972 erlitt er als Lehrer in Issy-les-Moulineaux einen Nervenzusammenbruch und gab den Beruf auf. Es folgten mehrere psychiatrische Aufenthalte, ab 1975 bezog er eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 80 Prozent.
Nach dem Tod seiner Mutter 1976 verschlechterte sich sein Zustand weiter. Zunächst lebte er bei seinem Vater in Baguer-Morvan, zog aber wegen wachsender Spannungen zwischen ihnen 1979 aus und kaufte ein eigenes Haus in Dol-de-Bretagne. Im Dorf war er unter dem Spitznamen „monsieur tout seul” (der Einzelgänger) bekannt und galt seit 1984 als psychiatrischer Patient.
Die Tat
Am Morgen des 19. Juni 1985, kurz vor 11 Uhr, verließ Guy Martel sein Haus in seinem roten Volvo und legte ein Kleinkalibergewehr mit Zielfernrohr in den Kofferraum, das er zehn Jahre zuvor gekauft hatte. Über drei Stunden hinweg fuhr er durch mehrere Orte in der Bretagne, darunter Baguer-Morvan, Combourg, Saint-Domineuc und Saint-André-des-Eaux, und schoss dabei wahllos auf Menschen.
Sieben Menschen starben: sein Vater Victor Martel (65), sein Onkel Joseph Weber (65), außerdem Pierre Bourtourault (73), Jean Chaussonnière (60), Marthe Hervé (59), Michel Lhommelet (34) und Danièle Pomard (33). Fünf weitere Personen wurden verletzt. Später erklärte er sein Vorgehen: „Anfangs hatte ich nur mit Familie und einigen anderen zu tun. Dann habe ich gemerkt, dass es leicht war zu schießen. Also bin ich weitergegangen.”
Festnahme und Prozess
Gegen 14 Uhr desselben Tages wurde er in Saint-André-des-Eaux von Gendarmen festgenommen. Er ergab sich mit erhobenen Händen, ohne Widerstand zu leisten oder eine Erklärung abzugeben. Der Prozess fand im Juli und September 1985 vor dem Gericht von Saint-Malo statt. Wegen seiner langjährigen psychiatrischen Vorgeschichte wurde er für strafrechtlich nicht verantwortlich erklärt und stattdessen dauerhaft in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.
Nachwirkungen
Guy Martel starb am 14. November 2015 im Alter von 71 Jahren in einer psychiatrischen Einrichtung in Rennes, ohne je vor einem Strafgericht verurteilt worden zu sein. Der Fall, in Frankreich als Tuerie de Bretagne bekannt, gilt bis heute als eines der folgenreichsten Beispiele dafür, wie eine unbehandelte psychische Erkrankung in einer Gewalttat mit vielen Toten münden kann. Mehr zum Tathergang selbst in der Schlagzeile Amoklauf in der Bretagne: Sieben Tote binnen drei Stunden.