Gundolf Köhler
- Aktive Jahre
- 1980
- Modus Operandi
- Sprengstoffanschlag
Gundolf Köhler zündete am Abend des 26. September 1980 am Haupteingang des Münchner Oktoberfests auf der Theresienwiese eine selbstgebaute Rohrbombe. Die Explosion tötete zwölf weitere Menschen sowie ihn selbst und verletzte über 200 Menschen, 68 davon schwer. Der Anschlag gilt bis heute als der folgenreichste rechtsextreme Terroranschlag der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Werdegang
Er wurde am 27. August 1959 in Schwenningen geboren und studierte zuletzt Geologie in Tübingen. Bereits als Jugendlicher besuchte er Veranstaltungen der NPD, später engagierte er sich in der neonazistischen Wiking-Jugend und der paramilitärischen Wehrsportgruppe Hoffmann, einer im Januar 1980 vom damaligen Bundesinnenminister Gerhart Baum wegen Verfassungswidrigkeit verbotenen Organisation. Bekannte beschrieben ihn als Einzelgänger mit ausgeprägter Waffenleidenschaft, der ein Hitlerporträt über seinem Bett hängen hatte und NS-Devotionalien sammelte. Er war zudem Mitglied eines Schießclubs und beschäftigte sich intensiv mit Sprengstoffchemie.
Der Anschlag
Neun Tage vor der Bundestagswahl 1980, bei der der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß als Kanzlerkandidat der CSU antrat, deponierte er gegen 22:19 Uhr eine Rohrbombe in einem Papierkorb am Haupteingang der Theresienwiese. Die Detonation tötete fünf Menschen sofort, darunter zwei Kinder sowie ihn selbst, sechs weitere Schwerverletzte starben kurz darauf im Krankenhaus. Insgesamt kamen bei dem Anschlag zwölf unbeteiligte Menschen sowie er selbst ums Leben, über 200 weitere wurden verletzt.
Ermittlung und Kontroversen
Die offizielle Ermittlung kam im Mai 1981 nach rund acht Monaten zu dem Schluss, es habe sich um die Tat eines verwirrten Einzeltäters gehandelt. Diese Einschätzung blieb jedoch von Beginn an umstritten: Mehrere Zeugen berichteten, ihn kurz vor dem Anschlag in Begleitung mehrerer Männer in Bundeswehrparkas gesehen zu haben, ein Zeuge schilderte zwei Begleiter in grünen Jacken rund 30 Minuten vor der Explosion. Sprengstoffreste und ein Zünder, die am Tatort gefunden wurden, verschwanden im Lauf der Ermittlungen, sämtliche gesicherten Gegenstände wurden 1997 vernichtet, was spätere DNA-Analysen unmöglich machte. Der Wehrsportgruppen-Gründer Karl-Heinz Hoffmann behauptete später, bei dem Anschlag sei eine Fernzündung verwendet worden. Eine 2020 abgeschlossene Neuaufnahme der Ermittlungen durch die Bundesanwaltschaft bestätigte ein rechtsextremes Motiv, konnte eine Beteiligung weiterer Mittäter oder Hintermänner aber weder beweisen noch ausschließen.
Nachwirkungen
Gundolf Köhler starb unmittelbar durch die Explosion seiner eigenen Bombe, unklar blieb dabei bis heute, ob er den eigenen Tod beabsichtigte oder ob die Bombe vorzeitig oder durch technisches Versagen detonierte. In München erinnert seit 1981 ein Denkmal an der Theresienwiese an die Opfer des Anschlags, das 2008 durch eine 2,70 Meter hohe, mit Einschusslöchern durchbrochene Stahlwand des Bildhauers Friedrich Koller ersetzt wurde. Der Anschlag löste in den folgenden Jahren eine Reihe weiterer rechtsextremer Gewalttaten aus, darunter den Mord an dem jüdischen Verleger Shlomo Lewin in Erlangen, und gilt bis heute als Referenzfall in der Debatte um die Aufarbeitung rechtsextremen Terrors in Deutschland.