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Guillaume Seznec

Zeitungsporträt von Guillaume Seznec aus dem Jahr 1923
Le Matin, via Wikimedia Commons · CC0 1.0
1
Opfer
verstorben
Mörder — Morlaix , Frankreich
Aktive Jahre
1923

Guillaume Seznec, eigentlich Joseph Marie Seznec, wurde am 1. Mai 1878 im bretonischen Plomodiern (Département Finistère) geboren und leitete als Erwachsener ein Sägewerk in Morlaix. 1924 wurde er wegen des Mordes an seinem Geschäftspartner Pierre Quéméneur zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt, obwohl dessen Leiche nie gefunden wurde und bis heute umstritten ist, ob überhaupt ein Mord stattfand. Der Fall um Guillaume Seznec zählt bis heute zu den bekanntesten und am längsten nachwirkenden Justizfällen Frankreichs.

Werdegang

Er stammte aus einer bäuerlichen Familie und arbeitete sich zum Betreiber eines Sägewerks in Morlaix hoch. Geschäftlich war er unter anderem mit dem Holzhändler und Kommunalpolitiker Pierre Quéméneur verbunden, mit dem er im Mai 1923 ein einträgliches Geschäft abwickeln wollte: den Verkauf einer größeren Zahl von Cadillac-Fahrzeugen, die das US-Militär nach dem Ersten Weltkrieg in Frankreich zurückgelassen hatte.

Das Verschwinden Pierre Quéméneurs

In der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 1923 brachen beide von der Bretagne aus zu einer gemeinsamen Geschäftsreise nach Paris auf. Unterwegs verschwand der Geschäftspartner spurlos, seine Leiche wurde nie gefunden. Als letzte Person, die ihn lebend gesehen hatte, geriet er selbst unter Verdacht. Die Anklage stützte sich vor allem auf eine Verkaufsurkunde für Grundbesitz des Verschwundenen, die bei ihm gefunden wurde und laut Anklage gefälscht war, um sich dessen Vermögen anzueignen.

Prozess und Verurteilung

Nach einem achttägigen Prozess mit rund 120 Zeugen sprach das Gericht ihn am 4. November 1924 des Mordes für schuldig, allerdings ohne dass ein Vorsatz zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Statt der Todesstrafe erhielt er lebenslange Zwangsarbeit. 1927 wurde er in das Straflager Saint-Laurent-du-Maroni in Französisch-Guayana deportiert, ein Jahr später auf die vorgelagerten Îles du Salut verlegt.

Begnadigung und weiteres Leben

Im Mai 1947 wurde er begnadigt und kehrte im Jahr darauf nach Frankreich zurück. Bis zu seinem Tod beteuerte er durchgehend seine Unschuld und stellte insgesamt neun erfolglose Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens. Am 13. Februar 1954 starb er in Paris an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

Justizirrtum oder Täter?

Zweifel an seiner Schuld begleiten den Fall bis in die Gegenwart. Eine 2005 zugelassene Wiederaufnahme des Verfahrens endete im Dezember 2006 dennoch mit der Bestätigung des ursprünglichen Urteils. 2018 wurden auf Antrag der Familie in einem alten Kellergewölbe des früheren Anwesens Knochenfunde untersucht, die jedoch keine abschließende Klärung brachten. Bis heute ist unklar, ob Pierre Quéméneur tatsächlich einem Verbrechen zum Opfer fiel oder unter neuer Identität untergetaucht ist, und ob Guillaume Seznec zu Unrecht verurteilt wurde. Der Fall bleibt damit einer der bekanntesten ungeklärten Kriminalfälle der französischen Rechtsgeschichte.