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Graham Young

genannt „Teekannen-Vergifter"

Die High Street von Bovingdon, dem Ort seiner zweiten Vergiftungsserie
David Howard, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
3
Opfer
„Teekannen-Vergifter"
verstorben
SerienmörderBovingdon , Großbritannien
Aktive Jahre
1962–1971
Modus Operandi
Vergiftung

Graham Frederick Young wurde am 7. September 1947 in Neasden bei London geboren und starb am 1. August 1990 im Gefängnis von Parkhurst auf der Isle of Wight. Bereits als 14-Jähriger vergiftete er Familienmitglieder, später tötete er zwei Arbeitskollegen mit Thallium. Sein Fall gilt als einer der ungewöhnlichsten Großbritanniens, weil er nach mehrjähriger Unterbringung in einer forensischen Klinik erneut zum Mörder wurde.

Werdegang

Seine Mutter starb an Tuberkulose, als er erst 14 Wochen alt war, weshalb ihn zunächst Onkel und Tante aufzogen, bevor er wieder zu seinem Vater und seiner Stiefmutter Molly zog. Schon als Schüler entwickelte er eine intensive Faszination für Toxikologie und begann, sich heimlich Gifte wie Antimon und Thallium zu beschaffen. Ab Februar 1961 vergiftete er wiederholt Angehörige der eigenen Familie: Vater und Stiefmutter litten unter chronischen Magenbeschwerden, im November 1961 vergiftete er seine Schwester mit Belladonna. Seine Stiefmutter starb am 21. April 1962; Young wurde für ihren Tod nicht verurteilt, die Tötung wurde ihm jedoch später zugeschrieben.

Festnahme und Broadmoor

Ein Lehrer entdeckte Giftfläschchen in seinem Schulranzen, woraufhin er am 23. Mai 1962 festgenommen wurde. Er bekannte sich dreier nicht tödlicher Vergiftungen schuldig und wurde im Alter von 14 Jahren in die forensisch-psychiatrische Klinik Broadmoor eingewiesen. Dort setzte er sein Interesse an Giften fort, ein Mitpatient namens John Berridge starb während seiner Haftzeit an einer Zyanidvergiftung, die offiziell als Suizid eingestuft wurde. Im Februar 1971 wurde Young nach ärztlicher Einschätzung, er stelle keine weitere Gefahr dar, unter Auflagen entlassen.

Taten in Bovingdon

Kurz nach seiner Entlassung fand er eine Anstellung als Lagerverwalter bei der Firma John Hadland Laboratories im Ort Bovingdon in Hertfordshire. Dort vergiftete er erneut, diesmal Arbeitskollegen, indem er ihnen Thallium und Antimon in Tee oder Kaffee mischte. Sein direkter Vorgesetzter Bob Egle (59) starb am 7. Juli 1971, der Betriebsrat Fred Biggs (56) am 19. November 1971. Weitere Kollegen, darunter David Tilson und Jethro Batt, überlebten schwere Vergiftungen mit bleibenden gesundheitlichen Schäden.

Ermittlung und Prozess

Weil binnen weniger Monate mehrere Angestellte erkrankten, wurde die Belegschaft zunächst von einem angeblichen Virus ausgegangen, den man scherzhaft „Bovingdon-Bug” nannte. Erst als sich der Verdacht gegen ihn richtete und Ermittler seine Vorgeschichte in Broadmoor entdeckten, wurde er am 20. November 1971 festgenommen. Der Prozess vor dem St Albans Crown Court dauerte vom 19. bis 29. Juni 1972, er wurde wegen zweifachen Mordes und zweifachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Nachwirkungen

Der Fall führte in Großbritannien zu einer öffentlichen Debatte über den Umgang mit jugendlichen Straftätern in forensischen Kliniken und über die Kriterien für deren Entlassung. Er selbst blieb bis zu seinem Tod 1990 in Haft. Sein Leben diente später als Vorlage für den Film „The Young Poisoner’s Handbook” von 1995.