Graham Coutts
- Aktive Jahre
- 2003
- Modus Operandi
- ErstickenNekrophilieBrandstiftung
Zweimal musste eine Jury darüber urteilen, ob eine Frau ermordet wurde oder bei einem Sexspiel starb, das sie selbst mitgetragen hatte. Am Ende stand nicht nur eine Verurteilung, sondern auch ein neues Gesetz: Der Fall um Graham Coutts brachte Großbritannien dazu, den Besitz extremer Gewaltpornografie unter Strafe zu stellen.
Werdegang
Graham Coutts wurde 1968 im schottischen Leven, Fife, geboren und besuchte Schulen in Schottland sowie in Cheltenham und Crewe in England. Als Erwachsener spielte er Gitarre in mehreren Bands der Brighton-Musikszene, darunter Substitute und Big Bang, und verdiente sein Geld nebenbei als Vertreter für Haushaltswaren und Doppelverglasungen. Bereits 1991 hatte er sich im Alter von 23 Jahren psychiatrisch behandeln lassen, weil ihn seit seinem 15. Lebensjahr gewalttätige sexuelle Fantasien über Frauen quälten und er fürchtete, sie könnten ihn eines Tages zu einer Straftat treiben.
Die Tat
Am 14. März 2003 lockte er die 31-jährige Sonderschullehrerin und Musikerin Jane Longhurst, eine Freundin seiner damaligen Freundin, unter einem Vorwand in seine Wohnung in Hove und erwürgte sie mit einer Nylonstrumpfhose. Vor Gericht behauptete er später, ihr Tod sei bei einvernehmlichem, atemreduzierendem Sexualverkehr passiert. Die Anklage ging dagegen von einem geplanten Mord aus, zumal er tags zuvor gezielt Bilder erwürgter und toter Frauen aus dem Internet heruntergeladen hatte. Er versteckte die Leiche zunächst in seiner Wohnung, dann in einem Lagerraum, den er in den folgenden 35 Tagen elfmal besuchte, bevor er sie schließlich im Wald von West Sussex verbrannte. Passanten entdeckten die brennenden Überreste am 19. April 2003.
Zwei Prozesse
Festgenommen wurde der Verdächtige am 29. April 2003, ein Geständnis zur Todesursache legte er nicht ab. Im ersten Prozess wurde er am 3. Februar 2004 des Mordes für schuldig befunden und zu mindestens 30 Jahren Haft verurteilt, in der Berufung 2005 auf 26 Jahre reduziert. Das House of Lords hob den Schuldspruch am 19. Juli 2006 jedoch komplett auf, weil die Jury im ersten Verfahren nie die Option hatte, stattdessen auf Totschlag zu erkennen. Im Sommer 2007 kam es zu einem kompletten Neuprozess, an dessen Ende die Geschworenen am 4. Juli 2007 mit einer Mehrheit von 11 zu 1 erneut auf Mord entschieden. Das Urteil blieb bei lebenslanger Haft mit einer Mindestverbüßungsdauer von 26 Jahren.
Nachwirkungen
Jane Longhursts Mutter Liz machte den Fall zum Ausgangspunkt einer Kampagne gegen gewaltverherrlichende Onlinepornografie und sammelte über 50.000 Unterschriften. Ihr Einsatz mündete direkt in Section 63 des Criminal Justice and Immigration Act 2008, der den Besitz extremer pornografischer Bilder ab dem 26. Januar 2009 unter Strafe stellte, eine der direkten gesetzgeberischen Folgen, die ein einzelner Mordfall in der britischen Rechtsgeschichte ausgelöst hat.