Giuseppe Leotta
- Aktive Jahre
- 2003
- Modus Operandi
- ErschießenEntführungGeiselnahme
Am 2. Mai 2003 bat Giuseppe Leotta im Rathaus von Aci Castello um ein Gespräch mit Bürgermeister Michele Toscano. Als das Gespräch nicht zustande kam, verließ er das Gebäude und kehrte etwa eine Viertelstunde später mit zwei Pistolen zurück. Innerhalb kurzer Zeit erschoss der 32-Jährige den Bürgermeister und vier weitere Menschen. Nach einer mehrstündigen Flucht mit einer Geisel erschoss er sich am selben Abend in einer Kirche rund 100 Kilometer entfernt.
Ein unsicheres Arbeitsverhältnis
Giuseppe, im Ort „Pippo“ genannt, wurde 1971 geboren. Zum Tatzeitpunkt arbeitete er befristet für die Gemeindeverwaltung von Aci Castello, einem Küstenort wenige Kilometer nördlich von Catania. Für den Morgen des 2. Mai war im Rathaus eine Besprechung über die Lage der befristet Beschäftigten und der Arbeiter in kommunalen Beschäftigungsprogrammen vorgesehen.
Der Corriere della Sera berichtete damals, Giuseppe Leotta habe vor Beginn der Besprechung mit Michele Toscano sprechen wollen, sei aber nicht empfangen worden. Andere zeitgenössische Berichte brachten die Tat mit seinem Wunsch nach einer festen Stelle oder einer Beschäftigung als Fahrer des Bürgermeisters in Verbindung. Da es zu keinem Gerichtsverfahren kam, lässt sich dieser berufliche Konflikt als Hintergrund belegen, aber nicht als abschließend geklärtes Motiv darstellen.
Die Tat
Die zeitgenössischen Berichte schildern die Reihenfolge der Schüsse unterschiedlich. Fest steht, dass Giuseppe Leotta den Bürgermeister Michele Toscano in dessen Büro erschoss. Der 37-jährige Salvatore Li Volsi, der ebenfalls über ein kommunales Beschäftigungsprogramm arbeitete, wurde auf der Treppe getötet. Vor dem Rathaus erschoss Giuseppe Leotta den 66-jährigen Rentner Giuseppe Castorina, der dort auf einer Bank saß.
In einem weiteren Gemeindegebäude tötete Giuseppe Leotta die 43-jährige Rita Mammino und die 34-jährige Maria Marta Cappadonna. Ein weiterer Mann wurde durch Schüsse verletzt. Insgesamt starben zwei Frauen und drei Männer. Bei der späteren Durchsuchung seines Hauses fanden Ermittler mehrere weitere Schusswaffen, die nach damaligen Behördenangaben legal registriert waren.
Flucht und Ende
Nach den Schüssen verließ Giuseppe Leotta Aci Castello. In der Nähe von San Giovanni la Punta bedrohte er einen vorbeifahrenden 53-Jährigen mit einer Pistole und zwang ihn, weiterzufahren. Der Mann blieb während der folgenden Flucht mehrere Stunden in seiner Gewalt.
Am Wallfahrtsort Madonna della Salute bei Vittoria ließ Giuseppe Leotta die Geisel unverletzt frei. Anschließend betrat er die Kirche und erschoss sich. Die Polizei hatte zu diesem Zeitpunkt seit Stunden mit einem großen Aufgebot nach ihm gesucht.
Nachwirkungen
An einem Vormittag verlor Aci Castello seinen Bürgermeister, drei Beschäftigte der Gemeinde und einen Rentner. An der gemeinsamen Trauerfeier wenige Tage später nahmen nach einem zeitgenössischen Bericht von Tgcom24 mehr als 5.000 Menschen teil. LiveSicilia berichtete später, dass der Ratssaal der Gemeinde Michele Toscano und symbolisch allen fünf Opfern gewidmet wurde.
Da Giuseppe Leotta noch am Tattag starb, konnten weder der genaue Ablauf noch sein Motiv vor Gericht geprüft werden. Der Konflikt um seine Beschäftigung gehört zur Vorgeschichte, erklärt aber nicht, warum er fünf Menschen tötete. Zum Fall gehört auch die Schlagzeile Amoklauf von Aci Castello: Bürgermeister und vier weitere Menschen erschossen.