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Giulia Tofana

genannt „Aqua Tofana"

Zeitgenössische Darstellung des Gifts „Manna di San Nicola“, unter dessen Namen die Aqua Tofana verkauft worden sein soll (Illustration von 1886)
Pierre Méjanel / François Pannemaker, via Wikimedia Commons · Public Domain
„Aqua Tofana"
verstorben
SerienmörderRom , Italien
Modus Operandi
VergiftungKomplizen

Giulia Tofana gilt der Legende nach als professionelle Giftmischerin im Rom des 17. Jahrhunderts, die über ihr Netzwerk Hunderten unglücklich verheirateten Frauen half, ihre gewalttätigen Ehemänner zu vergiften. Moderne Forschung bezweifelt jedoch große Teile dieser seit Jahrhunderten kolportierten Geschichte, teils bis hin zu ihrer Existenz als eigenständige historische Person.

Die Legende

Der Überlieferung nach verkaufte Tofana ein starkes, arsenhaltiges Gift unter dem Namen „Aqua Tofana”, getarnt in Fläschchen mit der Aufschrift „Manna di San Nicola di Bari” und einem Bildnis des Heiligen Nikolaus, um es als frommes Kosmetikum oder Andachtsobjekt auszugeben. Über ein Netzwerk aus Kräuterfrauen, Apothekern und angeblich sogar Geistlichen soll sie das Gift jahrzehntelang an Frauen verkauft haben, die keinen anderen Ausweg aus gewalttätigen Ehen sahen, da eine Scheidung im Italien der Zeit praktisch ausgeschlossen war. Der Sage nach soll das Gift für den Tod von bis zu 600 Männern verantwortlich gewesen sein, überwiegend Ehemänner ihrer Kundinnen.

Legende oder historische Giftmischerin?

Die moderne Geschichtsforschung stellt zentrale Teile dieser Erzählung infrage. Nach heutigem Kenntnisstand starb eine Frau namens Giulia Tofana um 1651 in Rom, nachdem sie 1624 einen Mann namens Cesare Ranchetti geheiratet hatte. Eine direkte Verbindung zwischen dieser Frau und dem berühmten Gift „Aqua Tofana” lässt sich jedoch nicht zweifelsfrei belegen. Tatsächlich dokumentiert sind lediglich die Hinrichtungen zweier anderer Frauen wegen Giftmordes: Thofania d’Adamo, hingerichtet 1633, und Girolama Spara, hingerichtet 1659 im Rahmen eines aufsehenerregenden römischen Giftprozesses. Der Historiker Craig A. Monson vertritt die These, dass der Name „Tofana” und ihre Verbindung zu d’Adamo und Spara auf die Erfindung eines Historikers des 19. Jahrhunderts zurückgehen, das gesamte legendäre Gerüst um Giulia Tofana somit eher eine literarische Konstruktion als belegte Geschichte sei.

Die auf serienkillers.de kolportierte Version, die von einer Hinrichtung 1723 in Neapel durch Erdrosseln unter dem Namen „Trufania” sprach, lässt sich mit keiner dieser dokumentierten Personen und Daten in Einklang bringen und dürfte eine weitere, noch stärker verfremdete Ausschmückung der ursprünglichen Legende sein.

Nachwirkungen

Ungeachtet der historischen Unsicherheiten gilt Giulia Tofana bis heute als eine der bekanntesten Figuren der europäischen Kriminalgeschichte und wird in zahlreichen populären Darstellungen als frühe Symbolfigur des Widerstands unglücklich verheirateter Frauen gegen häusliche Gewalt gedeutet, obwohl sich diese Deutung kaum an gesicherten historischen Fakten festmachen lässt.