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Giorgio William Vizzardelli

genannt „Der Killer von Sarzana"

Die Altstadt von Sarzana in Ligurien, wo Giorgio William Vizzardelli in den 1930er Jahren fünf Menschen tötete
William Domenichini / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.5
5
Opfer
„Der Killer von Sarzana"
Suizid
SerienmörderSarzana , Italien
Aktive Jahre
1937–1939
Modus Operandi
ErschießenAxt

Am 4. Januar 1937 fand man in einem katholischen Internat in Sarzana zwei erschossene Männer. Die Ermittler sperrten zunächst einen Unschuldigen ein. Der wahre Täter saß weiter im Klassenzimmer: Giorgio William Vizzardelli war vierzehn Jahre alt und tötete bis 1939 drei weitere Menschen. Eine historische Aufarbeitung von il Giornale stützt sich auf das wiederentdeckte vollständige Urteil des Jugendgerichts von Genua vom 23. September 1940.

Werdegang

Giorgio William Vizzardelli wurde am 23. August 1922 in Francavilla al Mare in den Abruzzen geboren. Sein Vater leitete das Standesamt von Sarzana, wo die Familie später lebte. Schon als Kind interessierte er sich für Chemie und das eigenständige Destillieren von Alkohol, außerdem übte er heimlich mit Schusswaffen. Er bewunderte den amerikanischen Gangster Al Capone und besuchte ein katholisches Missionskolleg in Sarzana, wo er als eher unauffälliger, introvertierter Schüler galt.

Taten

Am 4. Januar 1937 schlug er im Kolleg zunächst mit einer Axt auf den Rektor Umberto Bernardelli ein, der ihn wegen beschädigter Landkarten bestraft hatte, und erschoss ihn anschließend mit drei Schüssen. Den Pförtner Andrea Bruno, der ihn dabei erkannt hatte, erschoss er ebenfalls, um den Zeugen loszuwerden.

Eineinhalb Jahre lang erpresste ihn der zwanzigjährige Friseur Livio Delfini, der von den Morden erfahren hatte. Am 20. August 1938 erschoss er sowohl den Erpresser als auch den fünfunddreißigjährigen Taxifahrer Bruno Veneziani, der zufällig Zeuge wurde. Am 29. Dezember 1939 folgte ein fünftes Opfer: Er erschlug den fünfundsiebzigjährigen Amtsgehilfen Giuseppe Bernardini mit der Axt, weil er Geld für eine geplante Flucht nach Amerika brauchte.

Ermittlung und Festnahme

Die Mailänder Kriminalpolizei unter Commissario Paolo Cozzi verdächtigte zunächst den unschuldigen Vincenzo Montepagani, der achtzehn Monate in Untersuchungshaft saß, bevor der italienische Staat ihn entschädigte. Erst ein klebriger Schlüsselbund am Tatort des letzten Mordes brachte die Ermittler auf die richtige Spur: Der Sohn des Standesbeamten destillierte in seiner Freizeit Alkohol und übte mit Pistolen, genau wie der gesuchte Täter. Unter Druck gestand er schließlich alle fünf Morde.

Prozess und Verurteilung

Der Prozess begann im September 1940. Weil er zur Tatzeit noch minderjährig gewesen war, entging er der Todesstrafe, sehr zum Ärger des faschistischen Regimes unter Benito Mussolini, das ein Exempel hatte statuieren wollen. Das Gericht verurteilte ihn stattdessen zu lebenslanger Haft, als jüngster Insasse eines italienischen Gefängnisses zu diesem Zeitpunkt.

Nachwirkungen

Er verbrachte die folgenden 28 Jahre in Haft und psychiatrischen Anstalten. Am 29. Juli 1968 begnadigte ihn Staatspräsident Giuseppe Saragat. Ein normales Leben nach der Entlassung gelang ihm nicht: Am 11. August 1973 nahm er sich in Carrara mit einem Küchenmesser das Leben. Der Fall Giorgio Vizzardelli gilt in Italien bis heute als Lehrbuchbeispiel dafür, wie früh sich eine gestörte Tötungsdynamik entwickeln kann, lange bevor die Kriminologie eigene Begriffe dafür fand.