Giancarlo Giudice
- Serienmörder — Turin , Italien
- Aktive Jahre
- 1983–1986
Ein Blutfleck im Auto brachte die Polizei zu einer versteckten Leiche. Giancarlo Giudice gestand danach neun Tötungen, die Turin seit Dezember 1983 verunsichert hatten. Eine Rekonstruktion der La Stampa zeichnet nach, wie der Fund im Juni 1986 die Serie beendete.
Werdegang
Sein Vater, ein grober, alkoholkranker Veteran des Russlandfeldzugs, prägte seine Kindheit ebenso wie der frühe Tod der Mutter, als er acht Jahre alt war. Danach kam er in ein Internat. Mit dreizehn Jahren versuchte er, sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben zu nehmen. Als junger Mann desertierte er während seines Militärdienstes, saß kurz im Militärgefängnis und diente anschließend als Infanterist. Später arbeitete er über Jahre als Lastwagenfahrer und galt bei Arbeitgebern als merkwürdig, aber pflichtbewusst. Nach eigenen späteren Aussagen tötete er Frauen, die er als „hässlich, schmutzig und alt“ empfand und die ihn an seine Stiefmutter erinnerten, ausgelöst von einem „Schauer über den Rücken“.
Taten
Am 27. Dezember 1983 erdrosselte er die 40-jährige Federica Pecoraro und verbrannte ihre Leiche in einem gestohlenen Auto. Anfang Januar 1984 erdrosselte er die 48-jährige Annunziata Pafundo und warf die Leiche nackt in einen Fluss. Am 26. März 1984 verschonte er die 24-jährige Lidia Geraci, nachdem sie ihm von ihren drei Kindern erzählt hatte. Es folgten am 19. März 1985 die 64-jährige Giovanna Bricchi (erdrosselt, in den Po geworfen) und Ende März 1985 die 47-jährige Addolorata Benvenuto (erstochen, in einen Fluss geworfen). Im Februar 1986 tötete er die 44-jährige Maria Rosa Corda mit einem Hammer und die 66-jährige Laura Belmonte durch Erdrosseln mit einem Strumpf, beide Leichen versenkte er gefesselt in einem Kanal. Im April 1986 erschoss er die 44-jährige Maria Galfrè und verbrannte die Leiche in einer Hütte. Am 21. Mai 1986 folterte und erdrosselte er die 58-jährige Clelia Mollo, am 28. Juni 1986 erschoss er die 36-jährige Maria Rosa Paoli und versteckte ihre Leiche.
Ermittlung und Festnahme
Der Fund von Clelia Mollos Leiche am 24. Mai 1986 intensivierte die Fahndung. Am 28. Juni 1986, nur Stunden nach dem letzten Mord, wurde er bei einer Verkehrskontrolle angehalten. Die Polizei fand in seinem Auto Waffen, blutbefleckte Sitzbezüge und einen Lappen mit Blutspuren des jüngsten Opfers. Er gestand die Tat an Maria Rosa Paoli noch am selben Tag und zeigte den Ermittlern das Versteck der Leiche, im August 1986 legte er ein umfassendes Geständnis zu allen neun Morden ab.
Prozess und Urteil
Der Prozess begann am 22. März 1989 in Turin unter Vorsitz des Richters Vladimiro Zagrebelsky. Zunächst zu lebenslanger Haft verurteilt, wurde das Urteil in der Revision auf 24 Jahre Haft plus mehrjährige psychiatrische Betreuung reduziert. Während der Haft versuchte er im August 1989 einen 22 Jahre alten Gefängniswärter zu erwürgen, das Motiv blieb ungeklärt. Das endgültige Urteil lautete auf 30 Jahre Haft und zusätzlich drei Jahre in einer forensisch-psychiatrischen Einrichtung.
Nachwirkungen
Am 25. Oktober 2008 wurde Giancarlo Giudice nach gut 22 Jahren Haft und Unterbringung vorzeitig entlassen. Die Behörden gaben ihm eine neue Identität, sein weiterer Aufenthaltsort wurde nie öffentlich bekannt. Der Fall zählt bis heute zu den folgenreichsten Serienmorden im Piemont der Nachkriegszeit.