Gesche Gottfried
- Aktive Jahre
- 1813–1827
- Modus Operandi
- Vergiftung
Weiße Körner in einem Stück Schinken brachten 1828 eine Mordserie ans Licht, die vierzehn Jahre lang als Folge persönlicher Schicksalsschläge erschienen war. Gesche Margarethe Gottfried, geborene Timm, vergiftete 15 Menschen aus ihrem engsten familiären und sozialen Umfeld mit Arsen. Der WDR rekonstruiert anhand der Vernehmungsprotokolle, wie sie das Gift in alltäglichen Speisen verabreichte. Am 21. April 1831 wurde sie auf dem Bremer Domshof hingerichtet.
Werdegang
Als Tochter eines Schneidermeisters erhielt sie eine für ihren Stand ungewöhnlich gute Erziehung mit Tanz- und Französischunterricht. 1806 heiratete sie den wohlhabenden Sattlermeister Johann Miltenberg, wodurch sie gesellschaftlich aufstieg. Nach dessen Tod 1813, dem ersten ihrer Giftmorde, verarmte sie zusehends und heiratete 1817 in zweiter Ehe Michael Christoph Gottfried, den sie ebenfalls vergiftete.
Taten
Als Gift verwendete sie eine selbst hergestellte Mischung aus Arsen und Fett, die sogenannte „Mäusebutter”, die sie auf Zwieback strich oder Speisen und Getränken beimischte. Zwischen 1813 und 1827 tötete sie in dieser Weise:
- Johann Miltenberg (Ehemann), 1. Oktober 1813
- Gesche Margarethe Timm (Mutter), 2. Mai 1815
- Johanna (Tochter, 3 Jahre), 10. Mai 1815
- Adelheid (Tochter, 6 Jahre), 18. Mai 1815
- Johann Timm (Vater), 28. Juni 1815
- Heinrich (Sohn, 5 Jahre), 22. September 1815
- Johann (Zwillingsbruder), 1. Juni 1816
- Michael Christoph Gottfried (zweiter Ehemann), 5. Juli 1817
- Paul Thomas Zimmermann (Verlobter), 1. Juni 1823
- Anna Lucia Meyerholz (Freundin), 21. März 1825
- Johann Mosees (Nachbar), 5. Dezember 1825
- Wilhelmine Rumpff, 22. Dezember 1826
- die dreijährige Tochter von Beta Schmidt, 13. Mai 1827
- Beta Schmidt (Freundin), 15. Mai 1827
- Friedrich Kleine, 24. Juli 1827
Über ihr Motiv gehen die Einschätzungen bis heute auseinander: Ihre Verteidigung sprach von einem inneren, kaum kontrollierbaren Zwang zum Vergiften, die Anklage von berechnendem Eigennutz, da sie durch Erbschaften und den Wegfall unliebsamer Beziehungen wiederholt finanziell profitierte.
Festnahme und Prozess
Am 6. März 1828 wurde sie festgenommen, nachdem ihr Vermieter Arsenkörner in einem Stück Schinken entdeckt und chemisch untersuchen ließ. Ihr Prozess fiel in eine Übergangszeit zwischen älterem und modernerem Strafverfahren, ihre Verteidigung berief sich auf verminderte Zurechnungsfähigkeit, was das Gericht jedoch zurückwies.
Hinrichtung und Nachwirkungen
Vor schätzungsweise 35.000 Zuschauern wurde sie am 21. April 1831 auf dem Bremer Domshof durch das Schwert hingerichtet, die letzte öffentliche Hinrichtung in der Geschichte der Stadt. Ein in den Boden eingelassener Stein mit eingemeißeltem Kreuz, der so genannte Spuckstein, markiert bis heute die Hinrichtungsstätte und wird traditionell bespuckt. Ihr Fall inspirierte unter anderem Rainer Werner Fassbinders Theaterstück „Bremer Freiheit” sowie zahlreiche weitere literarische Bearbeitungen, im Bremer Stadtteil Gröpelingen ist zudem eine Straße nach ihr benannt.