Gert Bastian
- Aktive Jahre
- 1992
Gert Bastian, geboren am 26. März 1923 in München, war Generalmajor der Bundeswehr im Ruhestand und später Bundestagsabgeordneter der Grünen. Am 1. Oktober 1992 erschoss er im Schlaf seine langjährige Lebensgefährtin, die bekannte Friedens- und Umweltpolitikerin Petra Kelly, in der gemeinsamen Wohnung in Bonn und richtete anschließend die Waffe gegen sich selbst.
Werdegang
Er diente im Zweiten Weltkrieg als Wehrmachtsoffizier bei den Pionieren und wurde dreimal verwundet. Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Buchbinder, bevor er sich 1956 der neu gegründeten Bundeswehr anschloss. Es folgte eine steile militärische Karriere: Generalstabsausbildung, verschiedene Stabsposten, das Kommando über die 1. Gebirgsdivision und die Jägerbrigade 4. 1976 wurde er zum Generalmajor befördert und übernahm das Kommando der 12. Panzerdivision.
1980 beantragte er seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand, weil er die NATO-Nachrüstungsbeschlüsse nicht mittragen wollte. Aus dem einstigen General wurde ein Wortführer der Friedensbewegung: Er gehörte 1980 zu den Initiatoren des Krefelder Appells gegen die atomare Aufrüstung und gründete 1981 die Organisation „Generals for Peace“, in der sich pensionierte Militärs gegen den Rüstungswettlauf aussprachen. Über die Friedensbewegung lernte er die Politikerin Petra Kelly kennen, mit der ihn von da an eine enge private und politische Partnerschaft verband. Von 1983 bis 1987 saß er für die Grünen im Bundestag, gewählt über die bayerische Landesliste, und widersetzte sich dabei zeitweise dem parteiinternen Rotationsprinzip.
Die Tat
Am Morgen des 19. Oktober 1992 wurden beide tot in ihrer gemeinsamen Bonner Wohnung aufgefunden, die Leichen lagen bereits seit rund drei Wochen dort. Nach dem polizeilichen Ermittlungsergebnis erschoss er Petra schlafend mit seiner alten Dienstwaffe und tötete sich danach selbst. Ein Motiv wurde nie zweifelsfrei geklärt, in Betracht gezogen wurden unter anderem ihre schweren gesundheitlichen Probleme und die Belastung, die beiden aus der jahrelangen politischen Arbeit und öffentlichen Aufmerksamkeit erwuchs.
Ermittlung und offene Fragen
Ein unvollendeter Brief in der Schreibmaschine und weitere Ungereimtheiten am Tatort nährten von Beginn an Zweifel am offiziellen Tathergang. Bis heute kursieren alternative Theorien, etwa dass eine dritte Person beteiligt gewesen sein könnte oder dass die Tat mit Petras Sorge um die Offenlegung von Stasi-Akten zusammenhing, in denen sie erwähnt wird. Eine gerichtsfeste Aufklärung dieser Fragen blieb aus, da er sich selbst tötete und es deshalb nie zu einem Strafverfahren kam.
Nachwirkungen
Der Tod des prominenten Politikerpaars erschütterte die noch junge Partei der Grünen und die Friedensbewegung gleichermaßen, für die Petra Kelly eine der bekanntesten Symbolfiguren gewesen war. Er selbst blieb bis zu seinem Tod eine ambivalente Figur, gefeiert als früher militärischer Kritiker der atomaren Aufrüstung, zugleich für immer verbunden mit dem gewaltsamen Ende der Frau, mit der er über ein Jahrzehnt lang zusammen für den Frieden gekämpft hatte. Mehr zu ihrem Leben und den Umständen ihres Todes im Porträt Mord an Petra Kelly. Ihre gemeinsame Geschichte ist unter anderem in der Biografie „Eine tödliche Liebe: Petra Kelly und Gert Bastian” (Affiliate-Link) nachzulesen.