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Gerd Wenzinger

genannt „Havel-Ripper"

Der Oder-Havel-Kanal bei Berlin, in dem 1994 Leichenteile eines Opfers gefunden wurden
Dellex, via Wikimedia Commons · CC BY 3.0
„Havel-Ripper"
Suizid
SerienmörderBerlin , Deutschland
Aktive Jahre
1991–1996

Vier Tage nach der genehmigten Auslieferung nach Deutschland nahm sich Gerd Wenzinger in einer brasilianischen Gefängniszelle das Leben. Berliner Ermittler hielten ihn für den Mörder von Dana Franzke, doch zu einem Prozess und einem Schuldspruch kam es nie. Eine spätere Rekonstruktion des Berliner Kuriers dokumentiert die Beweislage, den Auslieferungsbeschluss und seinen Tod.

Werdegang

1978 eröffnete er eine Praxis in Stuttgart. 1990 wurde bekannt, dass er dort heimlich Patientinnen gefilmt hatte, woraufhin ihm die Approbation entzogen wurde. Er zog daraufhin nach Berlin und erwarb 1991 ein Grundstück im Ortsteil Karow.

Taten

Im Juni 1994 soll er auf seinem Grundstück die 23-jährige Prostituierte Dana Franzke getötet und ihre Leiche zerstückelt haben. Die Leichenteile wurden wenig später bei Borgsdorf nördlich von Berlin im Oder-Havel-Kanal gefunden. Vier Monate später wurde die 19-jährige Sabrina Graf unter ähnlichen Umständen ermordet und ebenfalls zerstückelt aufgefunden, ein direkter Nachweis zu ihm ließ sich in diesem Fall jedoch nicht führen. Nachdem er sich nach Brasilien abgesetzt hatte, geriet er dort erneut ins Visier der Behörden: Brasilianische Medien berichteten später, er habe rund 90 Frauen, überwiegend Prostituierte, gefoltert und mindestens vier von ihnen getötet, teils habe er die Taten auf Video festgehalten. Im Mai 1996 schickte er ein solches Video mit Aufnahmen von Folter, Mord und Verstümmelung an die Berliner Polizei.

Ermittlung, Flucht und Tod

Ein Hinweis aus einer Berliner Polizeidienststelle führte Ermittler auf seine Spur, bei der Durchsuchung seines Grundstücks fanden sie eindeutige Beweise für den Mord an Dana Franzke. Da er zu diesem Zeitpunkt bereits nach Brasilien geflohen war, entging er der Festnahme in Deutschland. Dort wurde er später wegen Sexualdelikten in Untersuchungshaft genommen, während die Berliner Staatsanwaltschaft seine Auslieferung wegen des Mordes an Dana Franzke beantragte. Am 12. Juni 1997 genehmigte der Oberste Gerichtshof Brasiliens die Auslieferung. Vier Tage später, am 16. Juni 1997, erhängte er sich in seiner Gefängniszelle. Zu einem Prozess kam es nie, das tatsächliche Ausmaß seiner Taten in Brasilien wurde daher gerichtlich nie geklärt.