← Zum Verzeichnis

George Henry Lamson

Zeitgenössisches Porträt von George Henry Lamson aus einem Holzstich zu seinem Prozess 1882
Wellcome Collection, London, via Wikimedia Commons · CC BY 4.0
1
Opfer
hingerichtet
Totschläger — Wimbledon , Großbritannien
Aktive Jahre
1881
Modus Operandi
Vergiftung

Sein Universitätslehrer hatte ihm beigebracht, das Gift sei im Körper nicht nachweisbar, eine Lehrmeinung, auf die George Henry Lamson sein ganzes Verbrechen aufbaute. Der Arzt kam am 8. September 1852 in den USA zur Welt, als Spross der angesehenen Schuyler-Familie mit familiären Verbindungen bis zu Alexander Hamilton. Am 3. Dezember 1881 vergiftete er in einer Schule in Wimbledon seinen minderjährigen Schwager, um an dessen Erbe zu gelangen, und wurde damit zu einem der bekanntesten Giftmörder des viktorianischen Englands.

Werdegang

Er studierte Medizin unter anderem an der University of Edinburgh, wo sein Lehrer Robert Christison ihm vermittelte, das Alkaloidgift Aconitin sei im menschlichen Körper chemisch nicht nachweisbar. 1871 diente er freiwillig im französischen Ambulanzkorps während der Belagerung von Paris und wurde dafür mit der Ehrenlegion ausgezeichnet, anschließend arbeitete er als Chirurg in Rumänien und Serbien. Während seines Auslandsdienstes wurde er morphinabhängig und geriet zunehmend in finanzielle Not. 1878 heiratete er und praktizierte zuletzt als Arzt in Bournemouth. Seine Ehefrau stammte aus der Familie Malcolm John, deren jüngerer Sohn Percy ein Treuhandvermögen von rund 3.000 Pfund erben sollte, das bei dessen Tod anteilig an seine Frau und damit indirekt an ihn selbst gefallen wäre.

Die Tat

Percy Malcolm John, 18 Jahre alt und laut Prozessunterlagen körperlich beeinträchtigt, besuchte die Blenheim House School in Wimbledon. Am 3. Dezember 1881 besuchte er ihn dort gemeinsam mit dem Schulleiter zu einer Teestunde und brachte einen Dundee-Kuchen mit. Im Lauf des Nachmittags überredete er den jungen Mann, eine Gelatinekapsel zu schlucken, die er als „neue amerikanische Erfindung“ ausgab. Tatsächlich enthielt die Kapsel eine tödliche Dosis Aconitin. Percy starb noch am selben Abend unter Qualen.

Ermittlung und Prozess

Nur rund fünf Tage nach der Tat wurde er verhaftet. Die Ermittler konnten nachweisen, dass er das Gift kurz zuvor bei einem Londoner Apotheker gekauft hatte, und gegen alle Erwartungen gelang es der forensischen Untersuchung, das eigentlich als unnachweisbar geltende Aconitin im Körper des Opfers doch noch zu identifizieren, ein Verfahren, das erst nach seiner eigenen Studienzeit entwickelt worden war. Im März 1882 stand er vor Richter Hawkins am Old Bailey, verteidigt von Montagu Williams. Am 14. März 1882 wurde er des Mordes für schuldig befunden, am 27. April legte er ein Geständnis ab.

Hinrichtung

Am 28. April 1882 wurde George Henry Lamson im Wandsworth Prison in London durch den Henker William Marwood gehängt. Er wurde 29 Jahre alt.