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George Forster

Der Regent's Canal bei Paddington in London, unweit des Tatorts
Wikimedia Commons / Paul Gillett, geograph.org.uk · CC BY-SA 2.0
2
Opfer
hingerichtet
TotschlägerLondon , Großbritannien
Aktive Jahre
1802
Modus Operandi
Ertränken

Zwei Wochen nach seiner Hinrichtung stand George Forster noch einmal auf, zumindest sah es für die entsetzten Zuschauer in einem Londoner Hörsaal so aus. Ein Wissenschaftler jagte Strom durch seine Leiche, ein Auge öffnete sich, der Kiefer zuckte, eine Faust ballte sich. Was 1803 wie schwarze Magie wirkte, war ein frühes Elektrizitätsexperiment und einer der Funken, aus denen später Mary Shelleys Roman „Frankenstein“ entstand. Vor diesem makabren Nachspiel aber stand ein einfacher, brutaler Fall: George Forster hatte seine Ehefrau und ihr gemeinsames Baby im Paddington-Kanal ertränkt.

Werdegang

Über sein frühes Leben ist wenig überliefert. Er lebte im London der Zeit um 1800 in ärmlichen Verhältnissen und hatte mit seiner Frau bereits mehrere Kinder, von denen einige in einem Armenhaus untergebracht waren, weil die Familie sie nicht ernähren konnte. Die Ehe galt als zerrüttet, wie sich später vor Gericht zeigte, hatte er schon vor der eigentlichen Tat mindestens zweimal versucht, seine Frau zu ertränken.

Die Tat

Am 4. Dezember 1802 trafen sich er, seine Frau und ihr jüngstes Kind, ein Säugling, in der Nähe des Paddington-Kanals im Westen Londons. Zeugen sahen die drei an diesem Abend gemeinsam in mehreren Gasthäusern am Kanalufer. Am nächsten Morgen wurde die Leiche des Kindes im Wasser gefunden, nach einer dreitägigen Suche auch die seiner Mutter. Er behauptete, allein zu Fuß ins nahe Whetstone gegangen zu sein, um zwei weitere Kinder im dortigen Armenhaus zu besuchen. Mehrere Gastwirte, die ihn an jenem Abend gesehen hatten, widerlegten dieses Alibi.

Festnahme und Prozess

Bereits am 6. Dezember 1802, einen Tag nach dem Auffinden der zweiten Leiche, wurde er festgenommen. Der Prozess fand am 14. Januar 1803 vor dem Old Bailey statt. Direkte Beweise gab es nicht, kein Geständnis, keine Tatwaffe, lediglich Indizien: die widerlegte Alibi-Geschichte, die Zeugenaussagen aus den Gasthäusern, die frühere Gewalt gegen seine Frau. Das genügte den Geschworenen für einen Schuldspruch. Kurz vor seiner Hinrichtung gestand er schließlich doch, seine Frau schon zuvor zweimal ertränken versucht zu haben.

Hinrichtung und Galvanismus-Experiment

Am 18. Januar 1803 wurde George Forster im Newgate-Gefängnis gehängt. Sein Leichnam wurde anschließend nicht begraben, sondern an den italienischen Wissenschaftler Giovanni Aldini übergeben, einen Neffen des Physikers Luigi Galvani. Aldini erforschte, ob elektrischer Strom tote Muskeln wieder zum Zucken bringen konnte, ein Phänomen, das man damals „Galvanismus“ nannte. Vor Publikum legte er Elektroden an Gesicht und Körper des Toten an: Der Kiefer begann zu zittern, die Gesichtsmuskeln verzerrten sich, ein Auge öffnete sich kurz. Ein anwesender Assistent soll vor Schreck kurz danach gestorben sein, so berichteten es zeitgenössische Quellen, wenn auch nicht zweifelsfrei belegt.

Nachwirkungen

Aldinis öffentliche Vorführungen an der Leiche George Forsters gehören zu den bekanntesten frühen Elektrizitätsexperimenten der Wissenschaftsgeschichte und werden bis heute als eine der Quellen genannt, die Mary Shelley bei der Arbeit an ihrem 1818 erschienenen Roman „Frankenstein“ beeinflusst haben könnten. Der Fall George Forster selbst blieb dagegen ein vergleichsweise unauffälliger Familienmord seiner Zeit, erinnert wird er heute fast ausschließlich wegen dessen, was zwei Wochen nach seinem Tod mit seinem Körper geschah.

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