George Chapman
- Aktive Jahre
- 1897–1902
- Modus Operandi
- Vergiftung
Drei Frauen galten nacheinander als Ehefrau von George Chapman, obwohl er keine von ihnen geheiratet hatte. Alle drei starben nach wiederholten Gaben von Brechweinstein. Der Strafaktennachweis der britischen National Archives dokumentiert Mordanklage, Todesurteil und Verfahrensdatum vom 19. März 1903, die erhaltenen Prozessberichte zeigen den Antimonnachweis in Maud Marshs Organen.
Werdegang
Geboren wurde er 1865 im Dorf Nagórna im damals russisch besetzten Teil Polens als Seweryn Antonowicz Kłosowski. Von 1880 bis 1887 absolvierte er eine chirurgische Ausbildung, bevor er um 1887 nach London zog und dort den Namen George Chapman annahm. Zunächst arbeitete er als Friseurgehilfe, ab 1889 betrieb er einen eigenen Salon. Im selben Jahr heiratete er die aus Polen stammende Lucy Baderski, obwohl er bereits anderweitig verheiratet war. Das Paar lebte zeitweise in New Jersey in den USA, bevor es 1892 nach England zurückkehrte.
Die Taten
Zwischen 1897 und 1902 tötete er drei Frauen, die er der Öffentlichkeit jeweils als seine Ehefrau präsentierte, mit Antimonkaliumtartrat, umgangssprachlich Brechweinstein genannt. Das Gift verursachte einen langsamen, äußerst schmerzhaften Tod mit Symptomen, die einer Arsenvergiftung ähnelten, und ließ sich damals nur schwer nachweisen.
- Mary Isabella Spink, mit der er ab 1895 zusammenlebte, starb am 25. Dezember 1897.
- Bessie Taylor, seine nächste Partnerin, starb am 13. Februar 1901.
- Maud Marsh starb schließlich am 22. Oktober 1902.
Ein finanzielles Motiv ließ sich nur in einem der drei Fälle klar nachweisen: Nach Spinks Tod erbte er 500 Pfund. Vor jedem der drei Todesfälle hatte er die betroffene Frau wiederholt körperlich misshandelt.
Ermittlung und Verurteilung
Verdacht kam erst durch Maud Marshs Mutter auf, die die rätselhaften Symptome ihrer Tochter nicht länger hinnehmen wollte. Die Leichenschau bestätigte eine Antimonvergiftung, woraufhin die Behörden auch die Leichen von Mary Spink und Bessie Taylor exhumierten und dieselbe Ursache feststellten. Angeklagt wurde er aus rechtlichen Gründen nur für den Mord an Maud Marsh. Die Geschworenen benötigten am 19. März 1903 gerade einmal elf Minuten für ihren Schuldspruch. Am 7. April 1903 wurde George Chapman im Wandsworth-Gefängnis in London gehängt.
Jack the Ripper?
Chief Inspector Frederick Abberline, der 1888 selbst an den Ermittlungen zu den Whitechapel-Morden beteiligt gewesen war, äußerte 1903 öffentlich den Verdacht, in George Chapman endlich Jack the Ripper gefasst zu haben. Er hatte sich 1888 tatsächlich in Whitechapel aufgehalten, und sein Frauenhass war unbestritten. Gegen die Theorie sprechen jedoch deutliche Unterschiede im Vorgehen: Die Ripper-Morde waren blutige Verstümmelungen an fremden Frauen auf offener Straße, seine eigenen Taten dagegen langsame Vergiftungen von Frauen, mit denen er zusammenlebte. Auch seine damals noch dürftigen Englischkenntnisse als frischer Einwanderer machen einen glaubwürdigen Auftritt als Verdächtiger fraglich. Historiker sind bis heute uneins: Während Philip Sugden ihn für einen der wahrscheinlicheren Kandidaten hält, bewertet ihn Keith Skinner nur als entfernte Möglichkeit unter vielen. Ein Beweis fehlt in jedem Fall.
Nachwirkungen
George Chapmans Fall bleibt einer der am besten dokumentierten Giftmordfälle der viktorianischen Ära und wird bis heute regelmäßig in Übersichten zu Jack-the-Ripper-Verdächtigen aufgeführt, meist mit dem Hinweis, dass seine erwiesenen Taten für sich genommen bereits erschreckend genug waren.