Gaston Dominici
- Aktive Jahre
- 1952
- Modus Operandi
- ErschießenStumpfe Gewalt
In der Nacht vom 4. auf den 5. August 1952 wurden der britische Wissenschaftler Sir Jack Drummond, seine Frau Anne und die gemeinsame zehnjährige Tochter Elizabeth nahe dem südfranzösischen Dorf Lurs erschossen und erschlagen. Der Bauer Gaston Dominici, auf dessen Land der Tatort lag, wurde 1954 wegen des Dreifachmords zum Tode verurteilt, ein Urteil, an dessen Grundlage bis heute erhebliche Zweifel bestehen.
Die Familie und der Tatort
Gaston Dominici, geboren 1876, bewirtschaftete gemeinsam mit seiner Frau Marie, genannt „Die Sardine”, und mehreren erwachsenen Kindern den Hof La Grand’Terre bei Lurs in der damaligen Basses-Alpes. Die Familie stammte ursprünglich aus dem Piemont. Am Abend des 4. August 1952 feierte die Großfamilie das Ende der Ernte, während die britische Familie Drummond mit ihrem Wagen an der Nationalstraße 96 in unmittelbarer Nähe des Hofs übernachtete, vermutlich wegen eines technischen Defekts am Fahrzeug.
Die Tat
In den frühen Morgenstunden des 5. August wurden mehrere Schüsse gehört. Sir Jack und Lady Anne wurden neben ihrem Wagen erschossen aufgefunden, die Tochter Elizabeth mit eingeschlagenem Schädel rund 77 Meter entfernt am Flussufer der Durance. Ihr Sohn Gustave Dominici entdeckte die Leiche des Mädchens am frühen Morgen und alarmierte über einen Passanten die Polizei, wobei er nach späteren Ermittlungen wusste oder ahnte, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch lebte.
Ermittlung, Widersprüche und Geständnis
Die Ermittlungen zogen sich über mehr als ein Jahr hin und waren von zahlreichen widersprüchlichen Zeugenaussagen, mehrfach veränderten Spuren am Tatort und wechselnden Beschuldigungen innerhalb der Familie geprägt. Die Tatwaffe, ein stark reparaturbedürftiger US-Karabiner vom Typ M1, wurde in der Durance gefunden. Erst im November 1953 beschuldigten Gastons eigene Söhne Gustave und Clovis ihn der Tat.
Unter Druck gestand Gaston Dominici den Mord, mit wechselnden und teils widersprüchlichen Tathergängen, unter anderem einer angeblichen sexuellen Motivation, die von der Obduktion nicht gestützt wurde. Kurz darauf widerrief er sein Geständnis mit der Begründung, er habe es nur abgelegt, um seine Familie zu schützen. Auch sein Sohn Gustave nahm frühere belastende Aussagen zurück.
Prozess und Urteil
Im November 1954 sprach ihn ein Geschworenengericht in Digne-les-Bains dennoch schuldig und verurteilte ihn zum Tode. Zwei aufeinanderfolgende Staatspräsidenten zweifelten öffentlich an der Beweislage: 1957 wandelte Präsident René Coty die Strafe in lebenslange Haft um, 1960 begnadigte Charles de Gaulle den inzwischen schwer kranken Gaston Dominici aus humanitären Gründen und ließ ihn frei, eine förmliche Wiederaufnahme des Verfahrens fand jedoch nie statt.
Nachwirkungen
Gaston Dominici starb am 4. April 1965. Der Fall gilt in Frankreich bis heute als einer der umstrittensten Kriminalfälle des 20. Jahrhunderts. Journalisten und Autoren wiesen später auf ungeklärte Widersprüche hin, darunter unterschiedliche Kalibergrößen an den Einschusswunden, mehrere unabhängige Zeugenaussagen über unbekannte Personen am Tatort in der fraglichen Nacht sowie Spekulationen über einen möglichen Zusammenhang mit Sir Jack Drummonds beruflichen Kontakten zu einer nahen Chemiefabrik. Ob Gaston Dominici der Täter war, ein Familienmitglied ihn deckte oder Dritte für die Morde verantwortlich waren, blieb historisch ungeklärt.