Gaspare Zinnanti
- Amokläufer — Mailand , Italien
- Aktive Jahre
- 1997
- Modus Operandi
- Stumpfe Gewalt
Innerhalb von zehn Tagen erschlug ein obdachloser Mann in Mailand drei wildfremde Menschen mit einem Hammer und stieß eine vierte Frau vor eine einfahrende U-Bahn. Sein Motiv war keine Wut und kein Raub: Gaspare Zinnanti glaubte, eine göttliche Stimme habe ihm aufgetragen, die Seelen seiner Opfer zu retten.
Werdegang
Gaspare Zinnanti wurde 1961 in Palermo als Sohn eines Lastwagenfahrers geboren, der bei einem Verkehrsunfall starb, als er noch ein Kind war. Nach einer Kindheit im Internat rutschte er als junger Erwachsener in ein Leben aus Drogensucht, kleinen Diebstählen und Raubüberfällen ab, das ihm insgesamt sechs Jahre Gefängnis einbrachte. In den neunziger Jahren lebte er meist obdachlos, oft in der Umgebung der Mailänder Stazione Centrale oder bei wechselnden Bekannten.
Taten
Am 12. März 1997 stieß er die vierzigjährige Genoveffa Nuzzo im U-Bahnhof Sondrio auf die Gleise. Sie überlebte nach einem Koma und einer Notoperation. Neun Tage später, am 21. März, erschlug er die zweiundfünfzigjährige Francesca Coelli mit einem Hammer in ihrer Wohnung im Stadtteil Città Studi, mit der er zuvor kurzzeitig zusammengelebt hatte. In derselben Nacht tötete er auf dieselbe Weise den achtundfünfzigjährigen Alvaro Calvi, einen ehemaligen Seemann und engen Bekannten, am Viale Monza. Nur einen Tag später erschlug er den dreiundvierzigjährigen Vincenzo Zenzola, einen Drogenabhängigen, in einem verlassenen Gebäude im Süden der Stadt.
Später sagte er aus, er habe eine Stimme gehört, die ihm sagte: „Du weißt, was du tun musst.“ Bei den Verhören erklärte er, er habe seine Opfer „reinigen“ und ihnen Frieden bringen wollen, weil das Leben aus Leid bestehe.
Ermittlung und Festnahme
Am Vormittag des 23. März 1997 überfiel er in der Nähe der Stazione Centrale eine Radiojournalistin. Sie erkannte ihn anhand von Fahndungsfotos, die zu diesem Zeitpunkt bereits veröffentlicht worden waren, und alarmierte die Bahnhofspolizei. Diese nahm ihn wenig später fest, noch mit blutbefleckter Kleidung. Er gestand rasch alle drei Morde sowie den Angriff auf Genoveffa Nuzzo.
Prozess und Unterbringung
Der forensische Psychiater Gianluigi Ponti von der Universität Mailand diagnostizierte eine schwere, akute Schizophrenie mit Wahnvorstellungen einer göttlichen Mission und Stimmenhören. Am 13. März 1998 erklärte der zuständige Richter Renato Bricchetti ihn deshalb für schuldunfähig, ein Strafprozess fand nicht statt. Stattdessen ordnete das Gericht seine unbefristete Unterbringung im forensisch-psychiatrischen Krankenhaus von Reggio Emilia an, mit halbjährlichen Überprüfungen seines Zustands.
Nachwirkungen
Im Juli 2001 erhängte er sich in seiner Zelle in Reggio Emilia. Der Fall gilt in der italienischen Kriminologie bis heute als eines der eindrücklichsten Beispiele eines sogenannten Missionsmörders, eines Täters, der seine Gewalt als vermeintlich gute Tat rechtfertigt. Die kurze, unkoordinierte Abfolge seiner Taten an wechselnden Orten innerhalb weniger Tage unterscheidet ihn dabei deutlich von planvoll vorgehenden Serienmördern. Mehr zum Tathergang und den einzelnen Opfern in der Schlagzeile Amoklauf in Mailand: Drei Tote in zehn Tagen durch einen selbsternannten „Seelenretter“.