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Fritz Angerstein

Zeitgenössisches Pressefoto von Fritz Angerstein, um 1924
Spaarnestad Photo, via Wikimedia Commons · Public Domain
8
Opfer
hingerichtet
MassenmörderHaiger , Deutschland
Aktive Jahre
1924

Fritz Heinrich Angerstein wurde am 3. Januar 1891 in Dillenburg geboren und am 17. November 1925 hingerichtet. Am 1. Dezember 1924 erschlug und erstach er in seiner Villa im hessischen Haiger acht Menschen aus seinem engsten familiären und beruflichen Umfeld, um eine aufgeflogene Unterschlagung zu verdecken. Der Fall erregte als „Tat ohne Täter” bundesweites mediales Aufsehen, da er zunächst selbst als vermeintliches Opfer eines Einbruchs auftrat.

Werdegang

Als siebtes von zehn Kindern eines Zimmermanns und späteren Bürgermeisters von Dillenburg aufgewachsen, wurde er 1917 Prokurist eines Kalksteinbruchs in Haiger, den 1920 die Firma van der Zypen übernahm. Nach außen führte er ein großbürgerliches Leben in einer repräsentativen Villa, tatsächlich hatte er sich jedoch in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten manövriert.

Die Tat

Um seine private Finanznot zu decken, veruntreute er nach späteren Gerichtsfeststellungen insgesamt 14.892 Reichsmark von seinem Arbeitgeber. Im November 1924 flog die Unterschlagung durch einen Kollegen auf. Am Abend des 1. Dezember 1924 tötete er in seiner Villa seine Ehefrau Käthe, seine Schwiegermutter, seine 18-jährige Schwägerin Ella Barth, das Dienstmädchen Minna Stoll sowie den Buchhalter, einen Angestellten, den Gärtner und dessen Gehilfen Rudi Darr mit Jagdmesser und Axt. Anschließend legte er Feuer in der Villa, um seine Taten als Einbruch mit Todesfolge zu tarnen.

Festnahme und Prozess

Widersprüche in seiner eigenen Darstellung der Ereignisse ließen Ermittler schon nach wenigen Tagen misstrauisch werden, am 4. Dezember 1924 wurde er festgenommen und legte schließlich ein Geständnis ab. Der Prozess im Juli 1925 wurde bundesweit intensiv verfolgt, insbesondere sein auffällig unbeteiligtes, distanziertes Auftreten vor Gericht sorgte für Aufsehen. Das Gericht verurteilte ihn wegen achtfachen Mordes zum Tode.

Hinrichtung und Nachwirkungen

Er wurde am 17. November 1925 hingerichtet. Der Fall Fritz Angerstein zählt bis heute zu den meistdiskutierten Kriminalfällen der Weimarer Republik und wurde später mehrfach literarisch und publizistisch aufgearbeitet, unter anderem unter dem Titel „Tat ohne Täter” (Affiliate-Link), eine Anspielung auf seine anfängliche Selbstinszenierung als Opfer.

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