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Freeway Phantom

Die Suitland Parkway in Washington, D.C., an deren Böschungen mehrere Opfer des Freeway Phantom gefunden wurden
Doug Kerr, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
6
Opfer
SerienmörderWashington, D.C. , USA
Aktive Jahre
1971–1972

Sechs schwarze Mädchen verschwanden innerhalb von sechzehn Monaten aus ihren Wohnvierteln in Washington, D.C. Alle wurden erwürgt, ihre Leichen lagen an Straßen im District oder im angrenzenden Maryland. Eine umfangreiche Rekonstruktion der Washington Post anhand Tausender FBI- und Polizeiakten zeigt zugleich die schwerste Grenze späterer Ermittlungen: Beweise waren verloren oder vernichtet worden.

Die Taten

Am 25. April 1971 verschwand die 13-jährige Carol Denise Spinks auf dem Weg zu einem Geschäft, ihre Leiche wurde Tage später an einer Autobahnböschung gefunden. Am 8. Juli 1971 folgte die 16-jährige Darlenia Denise Johnson. Die zehnjährige Brenda Faye Crockett rief während ihrer Gefangenschaft zweimal bei ihrer Familie an, bevor man sie nach ihrem Verschwinden am 27. Juli tot fand. Am 1. Oktober 1971 wurde die zwölfjährige Nenomoshia Yates Opfer, am 15. November die 18-jährige Brenda Denise Woodard, in deren Kleidung eine handschriftliche, an die Polizei gerichtete Notiz gefunden wurde. Fast ein Jahr nach der vorletzten Tat verschwand am 5. September 1972 schließlich die 17-jährige Diane Denise Williams. Alle sechs Opfer wurden erwürgt, bei mindestens drei stellte die Untersuchung zudem sexuelle Gewalt fest.

Ermittlung

Eine behördenübergreifende Sonderkommission aus der Metropolitan Police von Washington, der Maryland State Police, dem FBI und mehreren County-Behörden verfolgte über Jahre hunderte Hinweise über eine eigens eingerichtete Hotline. Die Aufklärung litt jedoch erheblich darunter, dass zentrale Ermittlungsunterlagen im Lauf der Jahrzehnte verloren gingen oder aus Platzgründen vernichtet wurden, während die ursprünglich zuständigen Ermittler in den Ruhestand gingen oder verstarben.

Verdächtige

Eine Gruppe von Häftlingen des Lorton-Gefängnisses, bekannt als „Green Vega Rapists” nach ihrem gemeinsam genutzten grünen Fahrzeug, geriet früh unter Verdacht, ein Mitglied lieferte zunächst glaubwürdige Detailangaben, widerrief diese jedoch, nachdem sein Name öffentlich bekannt geworden war. Die beiden früheren Polizisten Edward Sellman und Tommie Simmons wurden im Zusammenhang mit dem separaten Mord an Angela Denise Barnes festgenommen, eine Verbindung zur Freeway-Phantom-Serie ließ sich jedoch nicht bestätigen. 1977 geriet zudem der Computertechniker Robert Askins ins Visier, nachdem Ermittler in seinen Unterlagen wiederholt das Wort „tantamount” fanden, das auch in der bei Brenda Woodard gefundenen Notiz auftauchte, eine Anklage kam jedoch nie zustande.

Warum der Fall ungelöst blieb

Die betroffenen Mädchen stammten überwiegend aus einkommensschwachen afroamerikanischen Vierteln im Südosten Washingtons, was nach Ansicht späterer Kritiker dazu beitrug, dass der Fall zeitweise weniger Ermittlungsressourcen erhielt als vergleichbare Serien mit weißen Opfern. Der abrupte Wechsel der Ablageorte zwischen mehreren Autobahnen in zwei Bundesstaaten erschwerte zudem die Zuständigkeitsklärung zwischen den beteiligten Behörden erheblich.

Nachwirkungen

Der Fall bleibt in Washington bis heute Gegenstand aktiver Aufklärungsbemühungen, eine Belohnung von 150.000 US-Dollar für sachdienliche Hinweise steht weiterhin aus. Journalisten und die Familien der Opfer forderten in den vergangenen Jahren wiederholt eine erneute forensische Untersuchung der noch erhaltenen Spuren mittels moderner DNA-Technik, wie sie in anderen jahrzehntealten amerikanischen Altfällen bereits zu späten Aufklärungen geführt hat.