Frederick Guy Browne
- Mörder — London , Großbritannien
- Aktive Jahre
- 1927
- Modus Operandi
- ErschießenKomplizen
Ein Polizist hält nachts ein verdächtiges Auto an, notiert routinemäßig das Kennzeichen und wird Sekunden später erschossen: zweimal in die Wange, dann noch einmal in jedes Auge. Genau dieser letzte, besonders grausame Teil der Tat sollte den Täter überführen, denn er hinterließ eine Patronenhülse mit einer winzigen Schramme, die Jahrzehnte vor DNA-Analysen zum bis dahin genauesten forensischen Beweismittel der britischen Kriminalgeschichte wurde. Frederick Guy Browne, geboren 1883, wurde dafür 1928 gehängt.
Werdegang
Frederick wuchs im Londoner Stadtteil Catford auf und rutschte schon jung in die Kleinkriminalität ab: erst ein Fahrrad-Diebstahl- und Weiterverkaufsgeschäft, dann eine Verurteilung wegen unerlaubten Waffenbesitzes 1910, dazwischen mehrere Diebstahlsdelikte. Im März 1927 kam er aus dem Zuchthaus Dartmoor frei und betrieb fortan eine eigene Autowerkstatt am Lavender Hill in Clapham. Mit seinen 2,01 Metern Körpergröße war er eine auffällige Erscheinung, dabei Nichtraucher und Antialkoholiker, und besaß mehrere Schusswaffen, darunter Revolver des Typs Webley. Als Handlanger und Buchhalter stellte er William Henry Kennedy ein, einen ehemaligen Setzer mit eigenem Vorstrafenregister wegen Raub, Körperverletzung und Erregung öffentlichen Ärgernisses.
Die Tat
In der Nacht zum 27. September 1927 waren die beiden Männer mit einem in Billericay gestohlenen blauen Morris Cowley unterwegs. Gegen 3:30 Uhr stoppte der Polizeibeamte George William Gutteridge, 36 Jahre alt, den Wagen nahe Stapleford Abbotts in Essex, um eine Routinekontrolle durchzuführen. Statt seinen Ausweis vorzuzeigen, schoss Frederick dem Polizisten zweimal in die Wange. Anschließend beugte er sich über den bereits tödlich getroffenen Mann und feuerte ihm je eine Kugel in jedes Auge, einem damals verbreiteten, wissenschaftlich unbegründeten Aberglauben folgend, wonach sich das letzte gesehene Bild angeblich auf der Netzhaut eines Toten festhalten lasse. Die beiden ließen den Wagen anschließend im Londoner Stadtteil Stockwell zurück.
Ermittlung: gehängt durch ein Mikroskop
Die Ermittlungen zogen sich über vier Monate hin, bis ein Zufallsfund den entscheidenden Hinweis lieferte: eine Patronenhülse mit der Prägung RLIV, aus einer Munitionscharge, die vor 1913 vom Royal Laboratory gefertigt worden war. Der Ballistik-Sachverständige Robert Churchill untersuchte mikroskopische Kratzspuren auf den sichergestellten Kugeln und wies nach, dass sie eindeutig aus dem eigenen Webley-Revolver des Verdächtigen stammten. Vor Gericht ließ man Geschworene die Patronenhülse und das Mikroskop selbst in die Hand nehmen, um sich von der Übereinstimmung zu überzeugen, ein für die damalige Zeit spektakuläres Verfahren. Der Fall ging als „gehängt durch ein Mikroskop” in die britische Rechtsgeschichte ein.
Verhaftet wurden die beiden Männer bereits am 25. Januar 1928, zunächst nur wegen Autodiebstahls. Erst danach verdichteten sich die Hinweise auf den Mord. Mehr zur Flucht und Festnahme seines Komplizen im Profil William Henry Kennedy.
Prozess und Hinrichtung
Der Hauptprozess fand vom 23. bis 28. April 1928 am Old Bailey vor Richter Horace Avory statt, die Anklage vertrat der Solicitor General Thomas Boyd Merriman. William Kennedy gestand seine Beteiligung als Fahrer und Mitwisser, was auch Frederick juristisch schwer belastete, obwohl dieser die Tat selbst bis zuletzt bestritt. Beide wurden des Mordes für schuldig befunden.
Am 31. Mai 1928 um neun Uhr morgens wurden beide Männer zeitgleich in verschiedenen Gefängnissen gehängt: der Komplize in Wandsworth, Frederick im Pentonville-Gefängnis.
Nachwirkungen
Der Fall hatte eine unerwartete Nebenwirkung auf die britische Notfallinfrastruktur. Als Zeugen am Tatort versuchten, telefonisch Hilfe zu rufen, scheiterte dies zunächst daran, dass ein Busfahrer ohne Bargeld kein öffentliches Münztelefon benutzen konnte. Dieses Kommunikationschaos in einer akuten Notlage trug mit dazu bei, dass Großbritannien wenige Jahre später den kostenlosen Notruf 999 einführte, der bis heute in Gebrauch ist.