Frederick Baker
- Aktive Jahre
- 1867
- Modus Operandi
- ZerstückelungStumpfe Gewalt
„Killed a young girl. It was fine and hot.” Mit diesem einen, erschreckend beiläufigen Satz notierte ein Anwaltsgehilfe aus der Kleinstadt Alton am Nachmittag des 24. August 1867 in seinem Taschenkalender, was er wenige Stunden zuvor einem achtjährigen Mädchen angetan hatte. Der Fall Frederick Baker gehört zu den brutalsten Verbrechen der viktorianischen Ära, und sein Opfer, Fanny Adams, ist bis heute unfreiwillig Teil des britischen Alltagsvokabulars.
Werdegang
Frederick Baker wurde 1843 geboren und arbeitete als Gehilfe des Rechtsanwalts William Clement in Alton, einer Marktstadt in Hampshire. Er galt als unauffälliger, korrekt gekleideter junger Mann, der etwa ein Jahr vor der Tat aus Guildford zugezogen war. Nichts an seinem äußeren Auftreten ließ auf die Gewaltbereitschaft schließen, die sich hinter seiner Fassade verbarg.
Die Tat
Am Nachmittag des 24. August 1867 lockte er mehrere Mädchen mit kleinen Geldmünzen von der Straße weg, um eines von ihnen von den anderen zu trennen. Die achtjährige Fanny Adams folgte ihm in einen nahegelegenen Hopfengarten am Rand der Stadt. Dort schlug er sie mit einem Stein nieder und zerstückelte ihre Leiche in einem Ausmaß, das selbst erfahrene Ermittler entsetzte: Kopf und Beine waren abgetrennt, die Augen fehlten, innere Organe lagen über ein weites Areal verstreut. Mehrere Körperteile wurden nie gefunden.
Ermittlung und Festnahme
Der Täter wurde noch am selben Abend festgenommen, seine blutbefleckte Kleidung lieferte den ersten schweren Verdachtsmoment. Endgültig überführt wurde er durch sein eigenes Tagebuch, in dem der knappe, kaltblütige Eintrag über die Tat stand. Der Gerichtsmediziner Alfred Swaine Taylor stellte zudem fest, dass die bei ihm gefundenen kleinen Taschenmesser allein nicht ausgereicht hätten, um die Verstümmelungen zu verursachen, vermutlich kam zusätzlich ein schwerer Stein zum Einsatz.
Prozess und Hinrichtung
Der Prozess fand am 5. Dezember 1867 in Winchester statt. Trotz eines Einwands wegen verminderter Zurechnungsfähigkeit benötigte die Jury nur 15 Minuten für den Schuldspruch. Am Weihnachtsabend, dem 24. Dezember 1867, wurde Frederick Baker vor rund 5.000 Schaulustigen vor dem Gefängnis von Winchester öffentlich gehängt, es war die letzte öffentliche Hinrichtung an diesem Ort.
Nachwirkungen
Zwei Jahre nach der Tat führte die britische Marine neu konservierte Fleischkonserven ein. Die Matrosen machten makabere Scherze, das Fleisch könnte von den sterblichen Überresten der ermordeten Fanny Adams stammen, deren grausiges Schicksal damals landesweit bekannt war. Aus diesem düsteren Galgenhumor entwickelte sich der bis heute gebräuchliche britische Slangausdruck „sweet Fanny Adams” beziehungsweise die Abkürzung „sweet F.A.”, ein Euphemismus für „nichts” oder „wertlos”. Kaum jemand, der die Redewendung heute verwendet, weiß noch, dass sie auf einen der grausamsten Kindermorde der viktorianischen Ära zurückgeht.