Frederick Bailey Deeming
- Aktive Jahre
- 1891
- Modus Operandi
- ErstechenStumpfe GewaltBetrug
Ein Mieter in einem Vorstadthaus in Melbourne beschwert sich im März 1892 über einen fauligen Geruch, der aus dem Schlafzimmer dringt. Unter der Feuerstelle findet die Polizei die Leiche einer jungen Frau, ihr Schädel eingeschlagen, die Kehle durchtrennt. Der Mann, der sich hier „Baron Swanston” nannte, hatte bereits einen ganzen Haushalt unter einem Fußboden verborgen. Kurz nach dem Fund in Melbourne entdeckten Ermittler im englischen Rainhill die Leichen seiner ersten Frau und ihrer vier Kinder. Sein richtiger Name war Frederick Bailey Deeming. Er hatte zwei Familien ausgelöscht und die Toten jeweils im Haus verborgen.
Werdegang
Frederick Bailey Deeming wurde am 30. Juli 1853 im englischen Ashby-de-la-Zouch in der Grafschaft Leicestershire geboren, Sohn eines Kesselschmieds. Schon als Jugendlicher galt er als schwierig, mit 16 Jahren heuerte er zur See an. In den folgenden Jahrzehnten reiste er zwischen England, Südafrika und Australien hin und her, verdiente sein Geld als Gasinstallateur und Handelsvertreter und häufte parallel eine lange Liste an Betrugs- und Diebstahlsdelikten an. 1881 heiratete er Marie James, mit der er nach Australien zog und vier Kinder bekam: Bertha, Marie, Sydney und die kleine Leala.
Die Morde in Rainhill
Um den 26. Juli 1891 kehrte die Familie nach England zurück und bezog die Dinham Villa im Ort Rainhill bei Liverpool. Dort tötete er seine Frau und alle vier Kinder, vermutlich durch Schnitte in die Kehle, und vergrub die Leichen unter dem Fußboden des Hauses, den er anschließend mit frischem Zement verschloss. Nach außen erklärte er den plötzlichen Auszug der Familie mit einem angeblichen Umzug zu Verwandten. Nur wenige Wochen später warb er bereits um eine neue Frau.
Am 22. September 1891 heiratete er unter falschem Namen die 30-jährige Emily Lydia Mather in derselben Kirche, in der er kurz zuvor noch als Witwer aufgetreten war. Im Dezember desselben Jahres brach das Paar nach Australien auf.
Der Mord an Emily Mather
In der Nacht auf den 25. Dezember 1891 erschlug er Emily Mather in einem gemieteten Haus in Windsor, einem Vorort von Melbourne, und schnitt ihr die Kehle durch. Wie schon in Rainhill vergrub er die Leiche unter dem Fußboden, diesmal unter der Feuerstelle des Schlafzimmers, und zog anschließend unter dem Namen Baron Swanston weiter durch das Land, als sei nichts geschehen.
Entdeckung und Festnahme
Anfang März 1892 bemerkte ein neuer Mieter des Hauses in Windsor den Verwesungsgeruch, der aus dem Schlafzimmer drang. Die Polizei grub Emily Mathers Leiche aus und nahm die Fahndung nach dem Mann auf, der unter mehreren Namen aufgetreten war. Über die Aussagen von Mitreisenden gelang es den Ermittlern, seine Spur bis nach Western Australia zu verfolgen. Am 11. März 1892 nahmen sie ihn in der Kleinstadt Southern Cross fest, wo er offenbar versucht hatte, mit einer Glasscherbe seinen markanten Schnurrbart abzurasieren, um unerkannt zu bleiben. Kurz darauf stießen britische Ermittler in Rainhill auf die zweite Grabstätte unter dem Estrich der Dinham Villa.
Prozess und Hinrichtung
Der Prozess vor einem Gericht in Melbourne begann am 25. April 1892, verhandelt wurde ausschließlich der Mord an Emily Mather. Die Verteidigung plädierte auf Unzurechnungsfähigkeit, die Geschworenen benötigten jedoch nur rund achtzig Minuten, um ihn schuldig zu sprechen. Am 23. Mai 1892 wurde Frederick Bailey Deeming im Melbourne Gaol gehängt. Vor dem Gefängnistor hatten sich Berichten zufolge rund 10.000 Menschen versammelt, die die Hinrichtung mit Jubel begleiteten.
Das Jack-the-Ripper-Gerücht
Noch während seiner Haft in Australien machte die Presse ihn zum Verdächtigen in einem ganz anderen Fall: den ungeklärten Morden an Prostituierten im Londoner East End 1888, verübt von einem Täter, der als Jack the Ripper in die Kriminalgeschichte einging. Zeitungen verbreiteten sogar die Behauptung, Deeming habe kurz vor seiner Hinrichtung gestanden. Eine belastbare Verbindung zu den Whitechapel-Morden wurde jedoch nie nachgewiesen. In populären Aufzählungen von Ripper-Verdächtigen taucht sein Name dennoch bis heute auf.