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Franz Fuchs

genannt „Bajuwarische Befreiungsarmee"

Ortszentrum von Oberwart im Burgenland, Schauplatz des tödlichsten Anschlags von Franz Fuchs 1995
C.Stadler/Bwag, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
4
Opfer
„Bajuwarische Befreiungsarmee"
Suizid
AttentäterOberwart , Österreich
Aktive Jahre
1993–1997
Modus Operandi
Sprengstoffanschlag

Franz Fuchs wurde am 12. Dezember 1949 im steirischen Gralla geboren und starb am 26. Februar 2000 in Graz. Zwischen 1993 und 1997 verübte er, ohne Komplizen, unter dem selbst erfundenen Decknamen „Bajuwarische Befreiungsarmee“ eine Serie rassistisch motivierter Brief- und Rohrbombenanschläge in Österreich. Der schwerste Anschlag, ein Sprengsatz an einem Ortsschild in Oberwart, tötete im Februar 1995 vier Roma.

Werdegang

Über seine Kindheit und Jugend ist wenig gesichert bekannt. Als Erwachsener lebte er weitgehend zurückgezogen und meldete sich nie offen zu Wort, seine fremdenfeindliche Weltanschauung äußerte sich stattdessen ausschließlich in anonymen Bekennerschreiben, die er der von ihm erfundenen Gruppierung „Bajuwarische Befreiungsarmee“ zuschrieb, um den Anschein einer organisierten Terrorzelle zu erwecken. Tatsächlich handelte er allein.

Die Anschlagsserie

Im Dezember 1993 detonierten vier Briefbomben, die unter anderem den Priester August Janisch, die ORF-Journalistin Silvana Meixner und den Wiener Bürgermeister Helmut Zilk trafen, der dabei mehrere Finger der linken Hand verlor. Am 24. August 1994 verlor der Sprengstoffexperte der Polizei, Theo Kelz, in Klagenfurt beide Hände, als eine weitere Vorrichtung beim Entschärfungsversuch explodierte.

Am 4. Februar 1995 tötete ein Sprengsatz, der an einem Schild mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien!“ am Ortseingang von Oberwart angebracht war, vier Männer aus der örtlichen Roma-Gemeinde: Peter Sarközi, Josef Simon sowie Karl und Erwin Horvath. Es war der folgenreichste Einzelanschlag der Serie. In den Folgejahren 1995 und 1996 richteten sich weitere Sprengsätze gegen die Fernsehmoderatorin Arabella Kiesbauer und gegen Mitarbeiter von Flüchtlingsorganisationen.

Festnahme

Am 1. Oktober 1997 wurde er nach einer Verkehrskontrolle in seinem Auto festgenommen, nachdem zwei Frauen ihn zuvor als verdächtige Person gemeldet hatten. Bei der Festnahme detonierte ein von ihm mitgeführter Sprengsatz und riss ihm beide Hände ab. Bei der anschließenden Durchsuchung seines Wohnwagens fanden Ermittler weitere fünf Rohrbomben sowie eine präparierte Sprengfalle.

Prozess

Der Prozess begann am 2. Februar 1999. Er störte die Verhandlung wiederholt mit nationalistischen, fremdenfeindlichen Tiraden. Am 10. März 1999 wurde er wegen vierfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, verbunden mit der Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Nachwirkungen

Am 26. Februar 2000 wurde er in seiner Zelle in der Justizanstalt Graz-Karlau erhängt aufgefunden, er hatte sich mit dem Kabel eines Elektrorasierers das Leben genommen. Der Anschlag von Oberwart gilt bis heute als einer der schwersten rechtsextrem motivierten Gewaltakte der österreichischen Nachkriegsgeschichte und führte zu einer breiten gesellschaftlichen Debatte über Rassismus gegenüber Roma und Sinti in Österreich.

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