Francisca Ballesteros
- Aktive Jahre
- 1990–2004
- Modus Operandi
- Vergiftung
Vierzehn Jahre lagen zwischen dem Tod eines fünf Monate alten Babys und dem Giftanschlag, der die Mordserie innerhalb derselben Familie aufdeckte. Francisca Ballesteros tötete ihre Tochter Florinda, später ihren Ehemann und die 15-jährige Tochter Sandra; ihr Sohn überlebte. Europa Press dokumentierte die vollständige Bestätigung der 84-jährigen Strafe durch den spanischen Obersten Gerichtshof.
Werdegang
Francisca Ballesteros wurde 1969 in Valencia geboren und zog später in die nordafrikanische spanische Exklave Melilla, wo sie Antonio González Barribino heiratete. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter Florinda entwickelte die junge Mutter nach eigenen späteren Angaben eine postpartale Depression und wünschte sich insgeheim das Ende ihrer Ehe, ohne den gesellschaftlichen Druck einer offenen Trennung auf sich zu nehmen.
Die Taten
Am 4. Juni 1990 starb die erst fünf Monate alte Florinda González Ballesteros, offiziell an einem diabetischen Koma. Erst 14 Jahre später, nach ihrer Festnahme, gestand die Mutter, das Baby vergiftet zu haben. Am 12. Januar 2004 starb ihr Ehemann Antonio González Barribino nach wochenlangem Siechtum an Multiorganversagen, verursacht durch schleichende Vergiftung mit dem Alkoholentwöhnungsmittel Colme sowie Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Am 4. Juni desselben Jahres starb die 15-jährige Tochter Sandra González Ballesteros an einer Vergiftung, während ihr 12-jähriger Bruder Antonio dieselbe Behandlung nur knapp überlebte.
Ermittlung und Festnahme
Besorgte Nachbarn alarmierten am 5. Juni 2004 die Behörden, nachdem sie den kritischen Zustand des überlebenden Sohnes bemerkt hatten und die Mutter ungewöhnlich zögerlich auf medizinische Hilfe reagierte. Sie wurde am 6. Juni 2004 festgenommen und gestand noch am selben Tag sämtliche Taten, auch den 14 Jahre zurückliegenden Tod ihrer Tochter Florinda. Die Ermittler fanden zudem heraus, dass sie parallel über das Internet Kontakt zu mehreren Männern gehalten und geplant hatte, zu einem von ihnen zu fliehen.
Prozess
Im September 2005 verurteilte ein spanisches Gericht sie zu insgesamt 84 Jahren Haft: 25 Jahre für den besonders grausamen Mord an ihrer Tochter Sandra, 20 Jahre für den Mord am Ehemann, 20 weitere Jahre für den Mord an Florinda sowie 19 Jahre für den versuchten Mord am Sohn. Zusätzlich verurteilte das Gericht sie zu Schadensersatzzahlungen von rund 391.000 Euro. Während des Verfahrens zeigte die Angeklagte nach Berichten von Prozessbeobachtern weder Reue noch erkennbare Schuldgefühle.
Nachwirkungen
Der Fall erschütterte Melilla, weil kaum jemand aus dem Umfeld der Familie einen Verdacht geschöpft hatte, die Täterin galt bis zur Festnahme als Musterbeispiel häuslicher Fürsorge. Francisca Ballesteros verbüßt ihre Strafe bis heute, ihr Fall gilt in Spanien als eines der prägenden Beispiele dafür, wie lange sich häusliche Gewalt hinter einer makellosen Fassade verbergen kann.