← Zum Verzeichnis

Erwin Hagedorn

genannt „Kindermörder von Eberswalde"

Marktplatz von Eberswalde, Brandenburg
Ralf Roletschek, via Wikimedia Commons · GFDL 1.2
3
Opfer
„Kindermörder von Eberswalde"
hingerichtet
SerienmörderEberswalde , Deutschland
Aktive Jahre
1969–1971
Modus Operandi
ErstechenVergewaltigung

Erwin Hagedorn tötete als Jugendlicher und junger Erwachsener zwischen 1969 und 1971 drei Kinder im Wald bei Eberswalde in der DDR, alle durch tiefe Schnittverletzungen am Hals. Der Hinweis eines Jungen, den Hagedorn zuvor sexuell bedrängt hatte, führte die Ermittler zu ihm. Nach seiner Festnahme legte er ein Geständnis ab. 1972 wurde der 20-Jährige zum Tode verurteilt und als letzter Zivilist in der DDR wegen eines gewöhnlichen Verbrechens hingerichtet.

Werdegang

Hans Erwin Hagedorn wurde am 30. Januar 1952 in Eberswalde geboren. Bereits im Jahr vor seiner ersten Tat war er polizeilich als Belästiger aufgefallen, ohne dass daraus Konsequenzen gezogen wurden.

Kriminelle Aktivitäten

Am 31. Mai 1969 tötete Hagedorn die beiden neun Jahre alten Jungen Henry Specht und Mario Louis in einem Waldstück bei Eberswalde mit einem Messer, beide starben an tiefen Schnittwunden am Hals. Die Leichen wurden erst zwei Wochen später gefunden. Am 9. Oktober 1971 tötete er auf dieselbe Weise am selben Ort den zwölfjährigen Ronald Winkler. Bei allen drei Taten kam es zudem zu sexuellen Übergriffen auf die Opfer.

Namentlich bekannte Opfer (chronologisch):

  1. Henry Specht (9), getötet am 31. Mai 1969 in einem Waldstück bei Eberswalde
  2. Mario Louis (9), getötet am 31. Mai 1969 in einem Waldstück bei Eberswalde
  3. Ronald Winkler (12), getötet am 9. Oktober 1971 am selben Ort

Ermittlung und Festnahme

Die Ermittlungen nach den beiden Morden von 1969 blieben zunächst ergebnislos. Die DDR-Kriminalpolizei erstellte ein psychologisches Täterprofil, das Ministerium für Staatssicherheit zog dafür sogar Unterlagen über den westdeutschen Serienmörder Jürgen Bartsch zur Vergleichsanalyse heran. Den entscheidenden Hinweis lieferte schließlich ein Junge, der im Jahr vor den ersten Morden von Hagedorn sexuell belästigt worden war und die Ermittler auf ihn aufmerksam machte. Er wurde am 12. November 1971 festgenommen und legte ein Geständnis ab.

Prozess

Im Mai 1972 wurde Hagedorn wegen dreifachen Mordes mit erschwerenden Umständen sowie wegen sexuellen Missbrauchs und versuchten sexuellen Missbrauchs zum Tode verurteilt. Ein Gnadengesuch lehnte Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht ab.

Hinrichtung

Am 15. September 1972 wurde der 20 Jahre alte Hagedorn durch einen Genickschuss hingerichtet, sein Leichnam wurde eingeäschert und heimlich beigesetzt. Er war der letzte Zivilist, der in der DDR wegen eines gewöhnlichen, nicht politischen Verbrechens hingerichtet wurde.

Nachwirkungen

Der Fall wurde in der DDR-Öffentlichkeit weitgehend verschwiegen und erst nach der Wiedervereinigung ausführlicher aufgearbeitet, unter anderem durch Dokumentationen und das 2022 erschienene Buch „Blutrausch: Der Fall Erwin Hagedorn” von Marko Kregel.

Mehr zum Fall

Werbung · Affiliate-Links