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Ernst August Wagner

Ernst August Wagner in der Klinik im Jahr 1913
Robert Gaupp: Zur Psychologie des Massenmords, Tafel I, via Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte · Gemeinfrei, Erstveröffentlichung 1914

Ernst August Wagner wurde am 22. September 1874 geboren und starb am 27. April 1938 an Tuberkulose in der Heilanstalt Winnenthal. Am 4. September 1913 erstach er in seinem Wohnhaus im Stuttgarter Stadtteil Degerloch seine Ehefrau und seine vier Kinder, bevor er ins württembergische Mühlhausen an der Enz reiste und dort neun weitere Menschen erschoss. Ein Gericht erklärte ihn als ersten Angeklagten in der Geschichte Württembergs für unzurechnungsfähig und wies ihn in eine psychiatrische Anstalt ein.

Werdegang

Als Lehrer galt er in seinem Umfeld zunächst als unauffällig und gebildet. Bereits Jahre vor der Tat entwickelte er jedoch einen wahnhaften Verfolgungswahn: Er war überzeugt, die Bewohner von Mühlhausen an der Enz, wo er zuvor gelebt hatte, wüssten von einem früheren, tatsächlich nie bewiesenen sexuellen Vorfall mit einem Tier und würden ihn deswegen heimlich verspotten und beobachten. Diese wahnhafte Fixierung verstärkte sich in den Jahren vor 1913 zunehmend, verbunden mit familiären Spannungen.

Die Tat

In der Nacht zum 4. September 1913 tötete er zunächst seine Ehefrau und seine vier Kinder in der gemeinsamen Wohnung in Degerloch mit einem Totschläger und einem Messer. Anschließend fuhr er, bewaffnet mit einer Pistole und einem Munitionsvorrat, nach Mühlhausen an der Enz, zündete dort an mehreren Stellen des Ortes Feuer und schoss wahllos auf fliehende Bewohner. Neun Menschen starben, elf weitere wurden zum Teil schwer verletzt, bevor eingreifende Dorfbewohner ihn überwältigten und bewusstlos schlugen.

Festnahme und Prozess

Er wurde noch in derselben Nacht festgenommen und in das Gefängnis Heilbronn gebracht. Die psychiatrischen Gutachter Robert Gaupp und Robert Wollenberg bescheinigten ihm einen ausgeprägten Verfolgungswahn und stellten ihn als zur Tatzeit unzurechnungsfähig dar. Das Landgericht Heilbronn stellte das Verfahren daraufhin ein, die erste derartige Entscheidung in der Geschichte Württembergs.

Weiteres Schicksal

Am 4. Februar 1914 wurde er in die Heilanstalt Winnenthal eingewiesen, wo er bis zu seinem Tod blieb. Dort verfasste er mehrere Dramen und literarische Texte über Wahn und Schuld, von denen keines zu Lebzeiten aufgeführt wurde. Er starb am 27. April 1938 in der Anstalt an Tuberkulose.

Nachwirkungen

Der als „Blutnacht von Mühlhausen” bekannt gewordene Fall gilt bis heute als einer der frühesten gut dokumentierten deutschen Amokläufe und wurde später auch in der psychiatrischen Fachliteratur, unter anderem von Robert Gaupp selbst, als Lehrbeispiel für die Entwicklung eines Verfolgungswahns bis zur Gewalttat verarbeitet. Zum Tathergang selbst siehe die Schlagzeile Blutnacht von Mühlhausen: Ernst August Wagner tötet 14 Menschen.

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