Els Clottemans
- Aktive Jahre
- 2006
- Modus Operandi
- Komplizen
Els Clottemans, eine belgische Grundschullehrerin und Amateur-Fallschirmspringerin, sabotierte im November 2006 den Fallschirm ihrer Vereinskollegin Els Van Doren, die daraufhin bei einem Sprung über der belgischen Provinz Limburg aus rund 4.000 Metern Höhe zu Tode stürzte. Der als “Fallschirm-Mord” bekannt gewordene Fall gilt als der weltweit erste dokumentierte Mordfall durch Fallschirmsabotage.
Werdegang
Sie lernte im Fallschirmsprungclub Zwartberg sowohl die 37-jährige, verheiratete Mutter zweier Kinder Els Van Doren als auch den erfahrenen Springer Marcel Somers kennen. Die spätere Getötete unterhielt bereits ein Verhältnis mit Marcel Somers, als dieser auch eine Beziehung mit Els Clottemans begann. In diesem Dreiecksverhältnis sah sie sich selbst dauerhaft als Nebenfrau: Sie habe immer gewusst, so sagte sie später aus, dass sie für ihn “die Nummer zwei” gewesen sei.
Die Tat
Eine Woche vor dem tödlichen Sprung verbrachten alle drei gemeinsam eine Nacht in der Wohnung von Marcel Somers in Eindhoven, wobei dessen Geliebte das Bett mit ihm teilte und Els Clottemans auf einer Matratze am Boden schlief. Die Anklage ging davon aus, dass sie in dieser Nacht mit einer Schere die Leinen des Fallschirms ihrer Rivalin durchtrennte, eine Manipulation, für die Experten zufolge nicht mehr als 30 Sekunden nötig gewesen wären.
Am 18. November 2006 sprangen zwölf Mitglieder des Vereins gemeinsam aus einem Flugzeug, darunter das spätere Opfer, Marcel Somers und Els Clottemans. Der Hauptfallschirm der 37-jährigen Mutter öffnete sich wegen der durchtrennten Leinen nicht, ihr intakter Reservefallschirm verhedderte sich in den Gurten und ließ sich trotz ihrer Bemühungen nicht rechtzeitig lösen. Sie stürzte in einen Garten in Opglabbeek und starb noch am Unfallort. Der gesamte Sturz wurde von einer an ihrem Helm befestigten Kamera aufgezeichnet.
Ermittlung und Prozess
Die Polizei stellte fest, dass die Leinen beider Fallschirme durchtrennt worden waren. Els Clottemans geriet einen Monat später in Verdacht, als sie kurz vor einer zweiten polizeilichen Befragung einen Suizidversuch unternahm. Ermittler fanden zudem heraus, dass sie anonyme Briefe an den Ehemann des Opfers geschrieben und anonyme Anrufe bei Marcel Somers getätigt hatte. Handfeste forensische Beweise gab es nicht, die Anklage stützte sich auf Motiv, Gelegenheit und ihre fachliche Kenntnis der Ausrüstung.
Der Prozess vor dem Geschworenengericht in Tongeren fand vom 24. September bis 20. Oktober 2010 statt. Die Jury sprach Els Clottemans einstimmig des vorsätzlichen Mordes schuldig. Am 22. Oktober 2010 wurde sie zu 30 Jahren Haft verurteilt, nicht zu lebenslänglich, da der Richter ihre angeschlagene psychische Verfassung als mildernden Umstand wertete. Eine Berufung scheiterte im Mai 2011.
Nachwirkungen
Der Fall erregte wegen seiner Dreiecksgeschichte und seiner Neuartigkeit weltweites Medieninteresse und gilt bis heute als einer der ungewöhnlichsten Mordfälle in der belgischen Kriminalgeschichte.