Elfriede Blauensteiner
- Aktive Jahre
- 1992–1995
- Modus Operandi
- VergiftungVortäuschung von Hilfsbedürftigkeit
Erst die Exhumierungen machten sichtbar, was wie Krankheit ausgesehen hatte: Toxikologen fanden das Diabetesmittel Euglucon und das Antidepressivum Anafranil in den sterblichen Überresten. Elfriede Blauensteiner vergiftete damit zwischen 1992 und 1995 drei Menschen, deren Vermögen sie übernehmen wollte. Zwei Prozesse endeten 1997 und 2001 mit Schuldsprüchen wegen dreifachen Mordes.
Werdegang
Über ihre frühen Lebensjahre ist wenig gesichert bekannt. Als Erwachsene arbeitete sie zeitweise als Finanzbeamtin, geriet jedoch früh in finanzielle Schwierigkeiten, die eng mit einer ausgeprägten Spielsucht zusammenhingen. In Casinos verlor sie über die Jahre erhebliche Summen, was sie zunehmend unter Druck setzte, an fremdes Vermögen zu gelangen. Über Kontaktanzeigen in Zeitungen suchte sie gezielt ältere, alleinstehende und vermögende Männer, gab sich fürsorglich und kümmerte sich scheinbar aufopferungsvoll um sie, drängte jedoch parallel auf Vollmachten, Eigentumsübertragungen oder Testamentsänderungen zu ihren Gunsten.
Kriminelle Aktivitäten
Ihr bevorzugtes Mittel war das verschreibungspflichtige Diabetesmedikament Euglucon, das sie ihren Opfern unbemerkt verabreichte, teils kombiniert mit dem Antidepressivum Anafranil. Die Kombination löste eine gefährliche Unterzuckerung aus, die zu Bewusstseinsstörungen und Koma führte. In mindestens einem Fall soll sie zusätzlich mit eiskalten Tüchern eine Unterkühlung herbeigeführt haben. Die Opfer starben meist nicht sofort, sondern erst Stunden oder Tage später im Krankenhaus an Folgeerkrankungen wie einer Lungenentzündung, was die Aufklärung erheblich erschwerte. Ein Rechtsanwalt, mit dem sie zusammenarbeitete, soll ihr geholfen haben, Testamente der Opfer zu ihren Gunsten zu verändern.
Namentlich bekannte Opfer (chronologisch):
- Rudolf Blauensteiner (ihr Ehemann, 52), 1992: Er starb nach einer Vergiftung. Da er zum Zeitpunkt der Ermittlungen bereits eingeäschert war, konnte der Fall gerichtlich nicht mehr nachgewiesen werden, sie gestand ihn jedoch nach ihrer Festnahme.
- Franziska Köberl (Nachbarin, 84), 1992: Sie wurde 2001 als Mordfall gerichtlich festgestellt.
- Alois Pichler (77), November 1995: Sie hatte ihn über eine Heiratsannonce kennengelernt. Er starb am 21. November 1995 in Rossatzbach, eine Autopsie wies später eine tödliche Menge Euglucon nach.
- Friedrich Döcker (64), Todeszeitpunkt nicht genau überliefert: Auch ihn hatte sie über eine Kontaktanzeige kennengelernt, der Mordfall wurde 2001 gerichtlich festgestellt.
Bei ihrer Festnahme gestand sie zunächst fünf Morde, zog dieses Geständnis später jedoch teilweise zurück. Ermittler der niederösterreichischen Kriminalpolizei gingen davon aus, dass sie für bis zu zehn Todesfälle verantwortlich sein könnte, gerichtlich zweifelsfrei nachgewiesen wurden am Ende jedoch nur die drei Fälle Pichler, Köberl und Döcker.
Festnahme
Nach dem Tod von Alois Pichler im November 1995 wurde dessen Neffe misstrauisch, da er sich um sein Erbe betrogen fühlte, und wandte sich an die Behörden. Die anschließende Obduktion ergab eine tödliche Konzentration des Diabetesmedikaments Euglucon im Körper des Opfers. Am 11. Januar 1996 wurde sie in ihrer Wohnung im Wiener Bezirk Margareten verhaftet. Der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Franz Polzer, beschrieb sie später als durch und durch berechnend, sie habe nur dann kooperiert, wenn den Ermittlern bereits Beweise vorlagen.
Prozess
Der erste Prozess fand im Februar und März 1997 vor dem Landesgericht Krems statt. Sie fiel dabei durch theatralisches Auftreten auf, hielt zeitweise ein Kreuz in der Hand und beteuerte unter Tränen ihre Unschuld. Am 7. März 1997 wurde sie wegen des Mordes an Alois Pichler zu lebenslanger Haft verurteilt, der ihr zur Seite stehende Rechtsanwalt erhielt wegen Beteiligung an der Testamentsfälschung eine mehrjährige Haftstrafe. Der Vorwurf, auch ihren Ehemann Rudolf getötet zu haben, wurde mangels forensischer Beweise nicht weiterverfolgt. In einem zweiten Prozess im Jahr 2001 in Wien wurde sie zusätzlich wegen der Morde an Friedrich Döcker und Franziska Köberl schuldig gesprochen.
Nachwirkungen
Sie verbüßte ihre Strafe in der Justizanstalt Schwarzau. Weniger als sieben Jahre nach ihrer Verurteilung starb sie am 16. November 2003 in einem Wiener Krankenhaus an einem Hirntumor. Der Fall gilt in Österreich bis heute als einer der bekanntesten Kriminalfälle der Nachkriegszeit und wurde mehrfach in Dokumentationen und Büchern aufgearbeitet, unter anderem als Beispiel dafür, wie gezielte Ausnutzung von Einsamkeit und Vertrauen älterer Menschen mit medizinischem Fachwissen kombiniert werden kann.