Egidius Schiffer
- Aktive Jahre
- 1983–1990
- Modus Operandi
- ErwürgenVergewaltigung
Leo Egidius Schiffer wurde 1956 geboren. Zwischen 1983 und 1990 tötete er im Dreieck zwischen Aachen, Heinsberg und Mönchengladbach fünf junge Frauen, blieb aber 17 Jahre lang unentdeckt und wurde erst 2007 durch einen Zufallsfund überführt.
Werdegang
Über seine Kindheit ist wenig bekannt. Er arbeitete zeitweise als Krankenpfleger und Versicherungsvertreter, lebte in der Region Aachen und fiel den Behörden vor seiner Festnahme nicht als Gewalttäter auf.
Taten
Er fuhr mit einem Ford Capri Cabrio oder einem Mercedes vor allem an Bushaltestellen und Diskotheken vor und bot jungen Frauen, die allein unterwegs waren, eine Mitfahrgelegenheit an. Statt sie ans Ziel zu bringen, lenkte er den Wagen auf abgelegene Wald- und Feldwege, fesselte die Frauen mit Handschellen, Seilen oder Nylonstrümpfen, vergewaltigte einen Teil von ihnen und erwürgte sie anschließend. Die Leichen versenkte er in Teichen, vergrub sie im Wald oder ließ sie an Feldrändern liegen. In der Presse wurden die Fälle als „Anhalterinnen-Morde” oder „Disco-Morde” bekannt.
Zu seinen Opfern zählten:
- Marion Gerecht (18), getötet am 18. Juli 1983 bei Alsdorf
- Andrea Wernicke (15), getötet am 15. Februar 1984 bei Würselen
- Angelika Sehl (17), getötet am 31. August 1984 bei Geilenkirchen
- Marion Lauven (18), getötet im Dezember 1985 in Aachen
- Sabine Neumann (31), getötet am 16. Juni 1990 bei Niederkrüchten
Warum der Fall so lange ungeklärt blieb
Mangels DNA-Technologie und moderner Ermittlungsmethoden ließen sich die Taten über Jahre keinem gemeinsamen Täter zuordnen, obwohl die Ermittler Parallelen vermuteten. 1985 wurde der Fall in der Fahndungssendung „Aktenzeichen XY … ungelöst” vorgestellt, ohne dass sich eine heiße Spur ergab.
Festnahme
Im März 2007 wurde er in Heinsberg beim Diebstahl von Altmetall aufgegriffen. Im Rahmen der Ermittlungen gab er freiwillig eine Speichelprobe ab, die mit DNA-Spuren von den Tatorten aus den 1980er-Jahren übereinstimmte. Am 23. August 2007 wurde er wegen der fünf Morde verhaftet.
Prozess
Während der Vernehmungen gestand er die Taten zunächst, widerrief das Geständnis jedoch vor Gericht und behauptete, es aus sadomasochistischen Neigungen heraus erfunden zu haben, weil ihn die Vorstellung einer Haftstrafe erregt habe. Das Landgericht Aachen stützte sich dennoch auf seine wiederholten Geständnisse, nachgewiesenes Täterwissen und die DNA-Spuren und verurteilte ihn am 19. August 2008 wegen fünffachen Mordes und zweifacher Vergewaltigung zu lebenslanger Haft, wobei es die besondere Schwere der Schuld feststellte. Der Bundesgerichtshof wies seine Revision im Juni 2009 zurück.
Tod
Am 22. Juli 2018 wurde er tot in seiner Zelle der Justizvollzugsanstalt Bochum aufgefunden. Er war für autoerotische Zwecke an das Stromnetz angeschlossen und starb an einer dadurch ausgelösten Herzrhythmusstörung.