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Edmond Couty de la Pommerais

Zeitgenössisches Fotoporträt von Edmond Couty de la Pommerais, aufgenommen zwischen 1860 und 1890
Anonym, Musée Carnavalet, via Wikimedia Commons · CC0 1.0
2
Opfer
hingerichtet
SerienmörderParis , Frankreich
Aktive Jahre
1862–1863
Modus Operandi
VergiftungBetrug

Drei Frösche machten 1864 sichtbar, was sich im Körper von Séraphine de Pauw nicht direkt messen ließ: Digitalin. Der Gerichtsmediziner Ambroise Tardieu und der Chemiker François-Zacharie Roussin dokumentierten Versuch und Befunde noch im selben Jahr in ihrer medizinisch-rechtlichen Falldarstellung. Der Nachweis trug zur Verurteilung des Pariser Arztes Edmond Couty de la Pommerais bei. Gerichtlich bestätigt wurde der Tod seiner Geliebten, der frühere Tod seiner Schwiegermutter bleibt ein zugeschriebener Verdachtsfall.

Werdegang

Edmond gab sich in Pariser Gesellschaftskreisen gerne als Graf aus, obwohl ihm dafür jede Berechtigung fehlte, und geriet trotz seiner Arztpraxis wiederholt in finanzielle Schwierigkeiten. Um seine Verhältnisse aufzubessern, heiratete er eine vermögende Frau. Parallel zur Ehe unterhielt er ein Verhältnis mit Séraphine de Pauw, einer jungen Witwe.

Die Taten

Zunächst starb seine Schwiegermutter unter Umständen, die später als Vergiftung gedeutet wurden. Anschließend überredete Edmond seine Geliebte, eine Lebensversicherung abzuschließen und ihn als Begünstigten einzutragen. Er stellte ihr das Vorhaben als gemeinsamen Versicherungsbetrug dar, Séraphine de Pauw sollte dafür lediglich eine Krankheit vortäuschen. Tatsächlich verabreichte er ihr in der Folge wiederholt Digitalin, bis sie im November 1863 unter seiner eigenen ärztlichen Betreuung unter Qualen starb.

Ermittlung: ein Froschversuch als Beweis

Nach einer anonymen Anzeige gerieten die beiden Todesfälle in Verdacht. Der Gerichtsmediziner Ambroise Tardieu untersuchte Erbrochenes aus dem Krankenzimmer und entwickelte dafür ein neuartiges Testverfahren: Er injizierte drei Fröschen jeweils eine Kontrolllösung, eine Probe aus Edmonds eigenem Digitalin-Vorrat und eine Probe des sichergestellten Erbrochenen. Alle drei Frösche zeigten dieselben charakteristischen Vergiftungssymptome, was vor Gericht als Beweis anerkannt wurde und als einer der ersten Fälle toxikologischer Beweisführung mittels Tierversuch gilt.

Prozess und Hinrichtung

Der Prozess fand im Frühjahr 1864 statt. Die Geschworenen verurteilten Edmond zum Tode. Am 9. Juni 1864 wurde er im Morgengrauen vor dem Gefängnis La Roquette in Paris öffentlich mit der Guillotine hingerichtet.

Nachwirkungen

Der Fall Edmond Couty de la Pommerais reiht sich neben dem gut vier Jahrzehnte älteren Fall Edme Castaing in eine Reihe Pariser Ärzte ein, die ihre medizinischen Kenntnisse zu Mordzwecken missbrauchten, und markiert zugleich einen Wendepunkt: Erstmals gelang es der forensischen Medizin, ein pflanzliches Alkaloid wie Digitalin im Körper eines Opfers zweifelsfrei nachzuweisen, ein Verfahren, das in den folgenden Jahrzehnten zum Standardwerkzeug der Toxikologie wurde.