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Edme Castaing

Zeitgenössisches Porträt von Edme Castaing im Profil
Wikimedia Commons · Public Domain
1
Opfer
hingerichtet
TotschlägerParis , Frankreich
Aktive Jahre
1822–1823
Modus Operandi
VergiftungBetrug

Edme-Samuel Castaing wurde 1796 in Alençon geboren. Der approbierte Arzt vergiftete 1823 seinen Patienten und Freund Auguste Ballet mit Morphium, um dessen Erbe anzutreten. Er gilt als einer der ersten Menschen, die nachweislich Morphium als Mordgift einsetzten, und wurde noch im selben Jahr guillotiniert.

Werdegang

Er schloss 1821 sein Medizinstudium an der Pariser Fakultät ab. Bereits seit etwa 1817 war Edme Castaing eng mit den Brüdern Hippolyte und Auguste Ballet befreundet, zwei wohlhabenden jungen Anwälten, deren Eltern kurz nacheinander gestorben waren und ihnen ein beträchtliches Vermögen hinterlassen hatten.

Die Taten

Hippolyte Ballet, der an Tuberkulose litt, starb am 5. Oktober 1822 plötzlich in seiner Gegenwart. Kurz zuvor hatte er angeblich dafür gesorgt, dass ein Testament vernichtet wurde, das Hippolytes Anteil zugunsten der gemeinsamen Schwester geregelt hätte, und sich von Auguste dafür 100.000 Francs auszahlen lassen. Auguste selbst setzte ihn im Dezember 1822 als Universalerben ein. Am 30. und 31. Mai 1823 verabreichte Edme Castaing ihm in einem Hotel in Saint-Cloud vergifteten Wein und einen als Medizin ausgegebenen Trank mit Morphiumacetat. Auguste starb am 1. Juni 1823.

Ermittlung und Prozess

Er wurde am 2. Juni 1823 verhaftet, die Ermittlungen zogen sich über fünf Monate hin. Der Prozess vor den Assisen der Seine dauerte vom 10. bis zum 18. November 1823. Die Geschworenen sprachen ihn vom Vorwurf der Vergiftung Hippolyte Ballets frei, verurteilten ihn aber mit knapper Mehrheit von sieben zu fünf Stimmen wegen des Mordes an Auguste Ballet sowie wegen der Testamentsvernichtung. Das Gericht verhängte die Todesstrafe und verpflichtete ihn zusätzlich zu einer Schadenersatzzahlung von 100.000 Francs an die Familie.

Hinrichtung

Ein Gnadengesuch blieb erfolglos. Edme Castaing wurde am 6. Dezember 1823 in Paris guillotiniert, im Alter von 27 Jahren.

Nachwirkungen

Der Fall Edme Castaing gilt in der Rechtsmedizin als früher Meilenstein, weil erstmals der gezielte Einsatz von Morphium als Mordwaffe gerichtlich verhandelt wurde, zu einem Zeitpunkt, als toxikologische Nachweisverfahren für Alkaloide noch kaum entwickelt waren. Der Prozess trug maßgeblich dazu bei, dass sich die forensische Chemie in Frankreich in den folgenden Jahrzehnten der Vergiftungsanalytik stärker widmete, gut vierzig Jahre später überführte dieselbe Disziplin mit Edmond Couty de la Pommerais einen weiteren Pariser Arzt, der Digitalin als Mordgift eingesetzt hatte.

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