← Zum Verzeichnis

Edlira Copa

Die norditalienische Stadt Lecco am Comer See, in deren Stadtteil Chiuso Edlira Copa 2014 ihre drei Töchter tötete
Giuseppe Pinna / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
3
Opfer
MassenmörderLecco , Italien
Aktive Jahre
2014
Modus Operandi
Erstechen

Nachbarn im Lecco-Vorort Chiuso hörten in den frühen Morgenstunden des 9. März 2014 Schreie aus einer Wohnung und riefen die Polizei. Als die Beamten eintrafen, fanden sie eine Frau mit Schnittwunden an Handgelenken und Hals, verwirrt und blutverschmiert. Sie schrie immer wieder, sie habe „sie alle getötet“. In den Betten der Wohnung lagen ihre drei Töchter, erstochen. Edlira Copa hatte in derselben Nacht, in der ihr Mann die Familie verließ, ihre eigenen Kinder umgebracht.

Werdegang

Edlira Copa war Albanerin und lebte mit ihrem Mann Bashkim Dobrushi und den drei gemeinsamen Töchtern im Lecco-Vorort Chiuso in der Lombardei. Über ihr Leben vor der Tat ist wenig bekannt, außer dass die Ehe zunehmend zerrüttet war. Am 7. März 2014 reiste ihr Mann nach Albanien, um seine dortige Familie zu besuchen, und beendete damit faktisch die Beziehung.

Die Tat

In der Nacht vom 8. auf den 9. März 2014 tötete sie ihre drei Töchter Simona, dreizehn Jahre alt, Keisi, zehn Jahre alt, und Sidny, drei Jahre alt, mit einem Küchenmesser, während sie schliefen. Anschließend fügte sie sich selbst Schnittverletzungen zu. Gegen 6:30 Uhr morgens alarmierten Nachbarn, die Schreie gehört hatten, die Polizei.

Ermittlung und psychiatrisches Gutachten

Sie wurde noch am Tatort festgenommen und wegen ihrer Selbstverletzungen zunächst im Krankenhaus behandelt. Während der polizeilichen Vernehmung gestand sie die Tat. Die anschließende psychiatrische Begutachtung ergab eine paranoide Psychose, die sich nach Einschätzung der Gutachter durch die bevorstehende Trennung von ihrem Mann und die damit verbundene existenzielle Verzweiflung akut zugespitzt hatte.

Prozess

Im Mai 2015 sprach das zuständige Gericht sie wegen völliger Schuldunfähigkeit („vizio totale di mente“) frei, ein Strafprozess im eigentlichen Sinn fand damit nicht statt. Stattdessen ordnete das Gericht eine zehnjährige Sicherungsmaßnahme in einer forensisch-psychiatrischen Einrichtung an.

Nachwirkungen

Bereits im Juni 2019, nach etwas mehr als fünf Jahren, gewährte ihr das zuständige Gericht den Status der Halbfreiheit („semilibertà“): Sie durfte die Einrichtung tagsüber verlassen, musste aber weiterhin dort übernachten. Nach Presseberichten aus dieser Zeit hatte sie sich in der Anstalt dem christlichen Glauben zugewandt. Über ihren Verbleib nach Ablauf der zehnjährigen Maßnahme im Jahr 2025 liegen keine gesicherten öffentlichen Informationen vor. Der Fall löste in Italien eine breite Debatte über die Anerkennung psychischer Krisen bei Müttern in familiären Ausnahmesituationen aus und wird bis heute in Kriminalpsychologie-Podcasts und Dokumentationen über sogenannte Filizid-Fälle behandelt.