Donato Bilancia
- Serienmörder — Genua , Italien
- Aktive Jahre
- 1997–1998
- Modus Operandi
- ErschießenErsticken
17 Skizzen zu 17 Tötungen fertigte Donato Bilancia nach seiner Festnahme für die Ermittler an. Zwischen dem 16. Oktober 1997 und dem 20. April 1998 hatte er in Ligurien und auf norditalienischen Zugstrecken neun Frauen und acht Männer erschossen oder erstickt. Das Schwurgericht Genua verhängte dafür im April 2000 insgesamt 13 lebenslange Freiheitsstrafen.
Werdegang
Als Kind zog die Familie mehrfach um, von Kampanien nach Piemont und schließlich nach Ligurien. Schon früh geriet er mit dem Gesetz in Konflikt: 1965 stahl er ein Kleinmotorrad, 1974 wurde er wegen unbefugten Waffenbesitzes verhaftet, 1978 saß er in Frankreich wegen Raubes ein. Mehrere weitere Gefängnisstrafen in Italien und Frankreich folgten, immer wegen Eigentumsdelikten, nie wegen Gewalt gegen Personen.
Er lebte allein, war zwanghafter Spieler und finanzierte seine wachsenden Spielschulden über Diebstähle und kleinere Raubüberfälle. Bekannte beschrieben ihn als höflich und besonnen, sein Spitzname unter ihnen lautete wegen seiner rauen Stimme „Voce d’angelo”, Engelsstimme.
Taten
Ab Oktober 1997 begann eine Serie von Morden, deren Opfer zunächst noch mit seinem Umfeld aus illegalen Spielsalons und Wettgeschäften zu tun hatten, sich aber bald auf beliebige Reisende ausweitete:
- Giorgio Centanaro (16. Oktober 1997)
- Maurizio Parenti und seine Ehefrau Carla Scotto (24. Oktober 1997)
- Bruno Solari und seine Ehefrau Maria Luigia Pitto (27. Oktober 1997)
- Luciano Marro (13. November 1997)
- Giangiorgio Canu (25. Januar 1998)
- Stela Truya, Ljudmyla Zubskova und Enzo Gorni (März 1998)
- Massimiliano Gualillo und Candido Randò (24. März 1998)
- Tessy Adodo und Kristina Valla (März/April 1998)
- Elisabetta Zoppetti und Maria Angela Rubino, beide in einem Zugabteil erschossen (April 1998)
- Giuseppe Mileto, ein Tankstellenangestellter (20. April 1998)
Unter den Opfern waren mehrere ausländische Prostituierte, die in Ligurien arbeiteten, ebenso Betreiber illegaler Glücksspiellokale und zufällige Zugreisende. Als Waffe nutzte er einen Revolver vom Typ Smith & Wesson 36 Chief Special mit Hohlspitzenmunition. Anfangs erstickte er Opfer mit einem Kissen oder Klebeband, später erschoss er sie. Auffällig war, dass er das Gesicht der Getöteten vor der Tat verdeckte und sich, anders als viele Serienmörder, nie um das Verstecken der Leichen bemühte. Er erbeutete Bargeld, Schmuck und den Inhalt von Safes.
Ermittlung und Festnahme
Die Ermittler stützten sich auf DNA-Spuren von Zigarettenkippen und einer Kaffeetasse sowie auf die Beschreibung eines schwarzen Mercedes durch eine Zeugin. Ein Bekannter, der ihm den Wagen verkauft hatte, meldete sich bei der Polizei, weil unbezahlte Mautgebühren auf seinen Namen liefen. Nach zehntägiger Überwachung wurde er am 6. Mai 1998 vor dem Krankenhaus San Martino in Genua festgenommen, ein passender Revolver wurde in seiner Wohnung sichergestellt. DNA-Analysen des kriminaltechnischen Instituts RIS in Parma bestätigten seine Beteiligung an mehreren Taten.
Nach acht Tagen in Polizeihaft legte er ein Geständnis ab. Er sprach danach zwei Tage ununterbrochen und fertigte 17 Diagramme zu seinen Taten an.
Prozess
Der Prozess dauerte elf Monate. Am 12. April 2000 verurteilte ihn ein Gericht in Genua zu 13 lebenslangen Freiheitsstrafen sowie 16 weiteren Jahren Zusatzstrafe, unter anderem wegen versuchten Mordes an einer weiteren Frau, die den Angriff überlebte. Zusätzlich wurden drei Jahre Isolationshaft verhängt. Das Urteil wurde in Berufung und vor dem Kassationsgericht bestätigt. Psychologen konnten kein durchgehendes Motiv für die Mordserie benennen, ein eigener Bruder von Donato Bilancia hatte sich Jahre zuvor mit einem Säugling im Arm vor einen Zug geworfen.
Nachwirkungen
Donato Bilancia verbüßte seine Strafe zunächst in Genua-Marassi, dann in Chiavari und ab 2000 im Gefängnis Due Palazzi in Padua, davon insgesamt elf Jahre in vollständiger Isolation. Während der Haft holte er 2016 im Alter von 64 Jahren einen Buchhaltungsabschluss nach, studierte Tourismusmanagement und betätigte sich als Laienschauspieler. Am 17. Dezember 2020 starb er im Gefängnis von Padua im Alter von 69 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung, deren Behandlung er abgelehnt hatte.