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Dieter Degowski

Busbahnhof Bremen-Huckelriede mit dem Gedenkstein für die Todesopfer der Geiselnahme von Gladbeck am rechten Bildrand
Wikimedia Commons / Onkel Dittmeyer · CC BY-SA 4.0
1
Opfer
frei
Mörder — Gladbeck , Deutschland
Aktive Jahre
1988

An einer Raststätte nahm die Polizei Marion Löblich ohne Abstimmung mit der Einsatzleitung fest. Wenige Minuten später erschoss Dieter Degowski den 14-jährigen Emanuele De Giorgi in einem gekaperten Linienbus. Zu diesem Zeitpunkt dauerte die Geiselnahme von Gladbeck bereits mehr als einen Tag, umringt von Polizei, Reportern und Kameras.

Ein Leben mit frühen Straftaten

Dieter Degowski wurde 1956 geboren und wuchs in Gladbeck auf. Er besuchte eine Förderschule, hatte keinen abgeschlossenen Beruf und war bereits vor der Geiselnahme mehrfach straffällig geworden. Über seinen Bekannten Hans-Jürgen Rösner geriet er in den Plan, eine Bankfiliale im Gladbecker Stadtteil Rentfort auszurauben.

Am Morgen des 16. August 1988 betraten beide Männer bewaffnet die Filiale. Eine Polizeistreife entdeckte den laufenden Überfall. Statt wie geplant zu entkommen, nahmen die Täter zwei Bankangestellte in ihre Gewalt und verlangten Geld sowie ein Fluchtauto. Die Polizei erfüllte die Forderungen. Damit begann eine Flucht, die quer durch die damalige Bundesrepublik und zeitweise in die Niederlande führte.

Der gekaperte Bus

Am 17. August erreichten die Täter Bremen. Inzwischen begleitete Marion Löblich, die damalige Freundin von Hans-Jürgen Rösner, die beiden Männer. Am Busbahnhof Huckelriede kaperten sie einen Linienbus und nahmen mehr als 30 Menschen als Geiseln. Unter ihnen waren die Geschwister Emanuele und Tatiana De Giorgi.

An der Raststätte Grundbergsee überwältigten Polizisten Marion Löblich, als sie den Bus verlassen hatte. Die Einsatzkräfte hielten keinen Krankenwagen bereit und brachten die Festgenommene nicht sofort zurück, obwohl die bewaffneten Männer dies verlangten. Dieter Degowski setzte Emanuele De Giorgi eine Pistole an den Kopf und schoss. Der Jugendliche starb kurz darauf. Die Bremische Bürgerschaft dokumentierte später gravierende Führungs- und Koordinationsmängel bei der Bewältigung der Geiselnahme.

Gewalt vor laufenden Kameras

Nach dem Tod des Jugendlichen setzten die Täter ihre Flucht fort. Sie wechselten das Fahrzeug und nahmen Silke Bischoff sowie Ines Voitle mit. Am 18. August hielt der Wagen in der Kölner Innenstadt. Reporter drängten sich an die Türen, führten Interviews und fotografierten die Geiseln, während Dieter Degowski eine Waffe an den Hals von Silke Bischoff hielt.

Diese Bilder prägten die Erinnerung an den Fall. Sie zeigen nicht nur die Gewalt der Täter, sondern auch ein Versagen journalistischer Distanz. Der WDR beschreibt die damalige Live-Berichterstattung als ein Ereignis, bei dem ein Verbrechen praktisch vor den Kameras fortgesetzt wurde.

Ende auf der Autobahn

Ein Reporter stieg in das Fluchtauto und zeigte den Tätern den Weg aus Köln. Auf der Autobahn 3 bei Bad Honnef bereitete ein Spezialeinsatzkommando den Zugriff vor. Am Nachmittag des 18. August rammte ein gepanzertes Polizeifahrzeug den Wagen. In dem folgenden Schusswechsel traf ein Projektil aus der Waffe von Hans-Jürgen Rösner die 18-jährige Silke Bischoff tödlich. Ines Voitle überlebte schwer verletzt.

Die Polizei nahm Dieter Degowski, Hans-Jürgen Rösner und Marion Löblich fest. Die Tat hatte rund 54 Stunden gedauert. Drei Menschen waren tot: Emanuele De Giorgi, Silke Bischoff und der Bremer Polizist Ingo Hagen, der während der Verfolgung bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war.

Lebenslange Haft und Entlassung

Am 22. März 1991 verurteilte das Landgericht Essen Dieter Degowski zu lebenslanger Haft. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Das veröffentlichte Gesamturteil behandelt den Mord an Emanuele De Giorgi, die Geiselnahme mit Todesfolge und weitere schwere Straftaten getrennt und ordnet die Beiträge der Beteiligten einzeln zu.

Nach fast 30 Jahren Haft setzte die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg den Rest der Strafe zur Bewährung aus. Im Februar 2018 kam Dieter Degowski frei. Er erhielt eine neue Identität und soll dadurch ein anonymes Leben führen können. Die Zeit berichtete über die Entlassung und die vorausgegangene Therapie.

Nachwirkungen

Die Geiselnahme veränderte Regeln für Polizeieinsätze und Berichterstattung. Der Deutsche Presserat verschärfte seine Vorgaben für den Umgang mit Tätern während laufender Verbrechen. Auch die Polizei überarbeitete Zuständigkeiten, Einsatzführung und den Austausch zwischen Bundesländern.

Am Busbahnhof Bremen-Huckelriede erinnert heute ein Gedenkstein an die drei Todesopfer. Er lenkt den Blick weg von den Tätern und zurück auf Emanuele De Giorgi, Silke Bischoff und Ingo Hagen sowie auf die Überlebenden, die mit den Folgen der Tat weiterleben mussten.

Die Schlagzeile zum Ende der Geiselnahme, die Story 54 Stunden vor laufenden Kameras und der Wissensartikel Geiselnahmen und Presse ordnen den Ablauf und seine Folgen ein.

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