Derrick Bird
- Aktive Jahre
- 2010
- Modus Operandi
- Erschießen
Ein Taxifahrer, seit 23 Jahren in seiner Heimatregion bekannt und von Fahrgästen als freundlich beschrieben, fährt an einem Junimorgen zum Hof seines Zwillingsbruders und erschießt ihn. Danach setzt er sich wieder ins Auto und beginnt eine Fahrt durch die Dörfer und Kleinstädte von Cumbria, bei der er wahllos Menschen anspricht, nach der Uhrzeit fragt und dann abdrückt. Am Ende des Tages sind zwölf Menschen tot, darunter Derrick Bird selbst.
Werdegang
Derrick Bird wurde am 8. Oktober 1957 geboren und lebte zuletzt im Dorf Rowrah in Cumbria im Nordwesten Englands. Bis 1990 arbeitete er als Schreiner in der Nuklearanlage Sellafield, verlor die Stelle jedoch wegen Diebstahls von Holzmaterial und erhielt eine zwölfmonatige Bewährungsstrafe. Danach machte er sich als Taxifahrer in Whitehaven selbstständig, ein Beruf, den er 23 Jahre lang ausübte. Er besaß seit 1995 einen Jagdgewehrschein und seit 2007 einen Waffenschein für Flinten. Geschieden, Vater zweier erwachsener Söhne und seit kurzem Großvater, stand er zum Zeitpunkt der Tat unter Druck durch eine Steuerprüfung der britischen Finanzbehörde HM Revenue and Customs, der er Steuerhinterziehung vorwarf.
Die Tat
Am Morgen des 2. Juni 2010 fuhr er zunächst zum Hof seines Zwillingsbruders David, 52, in Lamplugh und erschoss ihn mit mehreren Schüssen in Kopf und Körper. Anschließend tötete er den Anwalt Kevin Commons, 60, der die Familie in einem Erbschaftsstreit vertreten hatte, sowie den Taxifahrerkollegen Darren Rewcastle, 43. Danach begann eine rund 70 Kilometer lange Fahrt entlang der Küste von Cumbria durch Orte wie Frizington, Whitehaven, Egremont, Wilton, Carleton, Gosforth und Seascale. Mit einer abgesägten Flinte und einem Kleinkalibergewehr erschoss er dabei wahllos weitere Menschen, die ihm zufällig begegneten: Susan Hughes, 57, Kenneth Fishburn, 71, Jennifer und James Jackson, 68 und 67, Isaac Dixon, 65, Garry Purdham, 31, Jamie Clark, 23, Michael Pike, 64, und Jane Robinson, 66. Insgesamt starben zwölf Menschen, elf weitere wurden verletzt.
Fahndung und Tod
Die Polizei leitete eine großangelegte Fahndung über mehrere Landkreise ein und sperrte weite Teile der Region ab. Derrick ließ sein Auto schließlich in einem Waldstück bei Boot zurück und flüchtete zu Fuß. Dort wurde er tot aufgefunden, er hatte sich selbst erschossen. Ermittler stellten an über 30 Tatorten Spuren sicher und bargen zwei Schusswaffen.
Nachwirkungen
Die Cumbria-Schießerei zählt zu den folgenreichsten Amokläufen der britischen Geschichte und löste, ähnlich wie zuvor das Massaker von Dunblane, eine öffentliche Debatte über den privaten Besitz von Schusswaffen aus, ohne dass es diesmal zu einer vergleichbar weitreichenden Gesetzesverschärfung kam, da Derrick Bird im Gegensatz zu Thomas Hamilton alle Waffen legal besaß. Die Ermittlungen und ein offizieller Untersuchungsbericht konnten kein eindeutiges Motiv feststellen, gingen aber von einer Mischung aus finanziellen Sorgen, familiären Konflikten und dem Gefühl gesellschaftlicher Isolation aus. Mehr zum Tathergang selbst in der Schlagzeile Amoklauf von Cumbria: Taxifahrer tötet zwölf Menschen.