Del Fontaine
- Aktive Jahre
- 1935
- Modus Operandi
- Erschießen
Zweimal kanadischer Mittelgewichtsmeister, 102 Profikämpfe, davon 36 durch K.o. gewonnen und ebenso viele verloren, dazu ein Kampfstil, den selbst Weggefährten als “aggressiv, aber miserabel in der Deckung” beschrieben. Del Fontaine hatte in seiner Karriere mehr Schläge eingesteckt, als ein Mensch verkraften konnte. Als er 1935 in London seine Geliebte erschoss, führten seine Verteidiger genau diese Kopftreffer als Erklärung an: eine durch Boxen erworbene Hirnschädigung. Es half nichts. Der eigentlich Raymond Henry Bousquet heißende Boxer wurde am 29. Oktober 1935 in Wandsworth Prison gehängt.
Werdegang
Raymond Henry Bousquet kam am 22. Februar 1904 in Winnipeg, Manitoba, zur Welt und boxte unter dem Ringnamen Del Fontaine. Er gewann 1926 und erneut 1931 den kanadischen Meistertitel im Mittelgewicht, ehe er 1932 nach Großbritannien übersiedelte, um seine Karriere dort fortzusetzen, der Legende nach reiste er mit einem Viehtransportschiff über den Atlantik. Zu Hause in Kanada ließ er eine Ehefrau und Kinder zurück. In Großbritannien begann er eine Beziehung mit Hilda Meeks, 21, einer ehemaligen Kellnerin aus dem Londoner West End mit Ambitionen als Tänzerin, die Freunde als leichtlebig beschrieben.
Ab November 1933 brach seine sportliche Form dramatisch ein, aus einer erfolgreichen Karriere wurde eine Serie von Niederlagen. Der ehemalige Weltmeister Ted “Kid” Lewis, der ihn gut kannte, sagte später im Prozess aus, er hätte angesichts der unzähligen Kopftreffer über seine 102 Kämpfe hinweg eigentlich nie mehr in den Ring steigen dürfen.
Die Tat
Am 10. Juli 1935 überraschte er seine Geliebte Hilda Meeks dabei, wie sie am Telefon mit einem anderen Mann sprach. In eifersüchtiger Wut riss er ihr den Hörer aus der Hand und forderte den Unbekannten am anderen Ende zur Rede. Als Hildas Mutter dazwischenging, um ihre Tochter zu schützen, zog er einen Revolver. Hilda flüchtete auf die Straße, wurde dort aber von einem tödlichen Schuss getroffen. Er feuerte danach auch auf ihre Mutter, die den Angriff überlebte. Später soll er erklärt haben: “Ich habe sie fertiggemacht und die alte Frau auch.”
Prozess
Del Fontaine wurde noch am Tattag festgenommen und leistete keinen Widerstand. Vor Gericht argumentierte seine Verteidigung mit Dementia pugilistica, der medizinisch heute noch anerkannten chronischen Hirnschädigung durch wiederholte Boxschläge, sowie mit Depressionen, um eine verminderte Schuldfähigkeit geltend zu machen. Hildas Vater Sam widersprach dieser Darstellung vehement und mutmaßte öffentlich, er habe in seinen letzten Kämpfen absichtlich verloren. Das Gericht folgte der Verteidigung nicht und verurteilte ihn wegen Mordes zum Tode.
Hinrichtung
Del Fontaine wurde am 29. Oktober 1935 in Wandsworth Prison von Scharfrichter Robert Baxter gehängt, es war dessen vorletzte Hinrichtung in einer langen Laufbahn. Vor dem Gefängnis versammelte sich eine große Menschenmenge, es gab religiöse Gesänge und Reden von Gegnern der Todesstrafe, während zeitgleich eine Petition für eine Begnadigung gescheitert war. In einem Abschiedsbrief schrieb er, Hilda Meeks habe ihm das Herz gebrochen und ihn “gegen die eigene Ehefrau aufgebracht”. Ein Gefängniswärter sagte über seine letzten Momente, er sei “der mutigste Mensch gewesen, den wir je zum Galgen gehen sahen”.
Nachwirkungen
Der Fall Del Fontaine, wie sein Ringname bis heute für ihn steht, gilt in der Boxgeschichte als eines der frühen, öffentlich verhandelten Beispiele für die Langzeitfolgen wiederholter Kopftreffer im Boxsport, lange bevor der Begriff der Boxer-Demenz medizinisch etabliert war. Sein rasanter sportlicher Absturz in den letzten beiden Jahren seiner Karriere wird von Sporthistorikern bis heute als Fallbeispiel für die körperlichen Risiken des Berufsboxens jener Zeit angeführt.