Dean Corll
- Serienmörder — Houston , USA
- Aktive Jahre
- 1970–1973
Erst nachdem Dean Corll erschossen in einem Haus in Pasadena lag, begann die Suche nach seinen Opfern. Innerhalb weniger Tage führte sie zu Massengräbern mit Dutzenden Toten. Das Texas Archive of the Moving Image bewahrt die zeitgenössische KPRC-Berichterstattung über die Bergungen und nennt mindestens 28 ermordete Jungen und junge Männer. Zwei jugendliche Komplizen, Elmer Wayne Henley und David Owen Brooks, hatten Opfer angeworben und sich an einzelnen Taten beteiligt.
Werdegang
Er wurde am 24. Dezember 1939 in Fort Wayne, Indiana, geboren. Seine Eltern ließen sich mehrfach scheiden und heirateten sich zwischenzeitlich erneut, die Familie zog wiederholt um, bevor sie sich in der Gegend von Houston niederließ. Nach der Schulzeit arbeitete er im Süßwarenbetrieb seiner Mutter und stieg dort zum Vizepräsidenten auf. Durch das kostenlose Verteilen von Bonbons an Kinder aus der Nachbarschaft erwarb er sich den Spitznamen „Candy Man”. 1964 leistete er kurzzeitig Militärdienst, verließ die Armee jedoch vorzeitig. Ab Ende der 1960er-Jahre arbeitete er als Elektriker bei einem Energieversorger in Houston.
Bereits in dieser Zeit knüpfte er Kontakte zu Jugendlichen aus einkommensschwachen Vierteln, unter anderem zum damals etwa zwölfjährigen David Brooks, zu dem sich eine sexuelle Beziehung entwickelte. Über David Brooks lernte er um 1971 den einige Jahre jüngeren Elmer Wayne Henley kennen. Beide Jugendliche wurden zu seinen Komplizen: Sie warben unter Gleichaltrigen Opfer an, teils mit dem Versprechen von Partys, Alkohol oder Drogen, und erhielten dafür von ihm Geldzahlungen.
Kriminelle Aktivitäten
Die Taten folgten meist einem festen Muster: Elmer oder David lockten Jugendliche aus der Nachbarschaft, häufig Bekannte oder Freunde, unter einem Vorwand in die Wohnung von Dean Corll oder in eine angemietete Garconniere. Dort wurden die Opfer mit Alkohol oder Klebstoffdämpfen betäubt und anschließend auf einem eigens angefertigten hölzernen „Folterbrett” mit Handschellen und Nylonseilen fixiert. Er folterte und missbrauchte sie sexuell, bevor er sie erwürgte oder mit einer Pistole erschoss. Die Leichen wickelte er in Plastikfolie, bestreute sie mit Kalk und vergrub sie an mehreren Orten, darunter ein angemieteter Bootsschuppen im Südwesten Houstons, ein Strandabschnitt bei High Island und ein Waldstück am Lake Sam Rayburn.
Namentlich bekannte Opfer (chronologisch):
- Jeffrey Alan Konen (18), 25. September 1970
- James Eugene Glass (14), 13. Dezember 1970
- Danny Michael Yates (14), 13. Dezember 1970
- Donald Wayne Waldrop (15), 30. Januar 1971
- Jerry Lynn Waldrop (13), 30. Januar 1971
- Randell Lee Harvey (15), 9. März 1971
- David William Hilligiest (13), 29. Mai 1971
- Gregory Malley Winkle (16), 29. Mai 1971
- Ruben Watson Haney (17), 17. August 1971
- Willard „Rusty” Branch Jr. (18), November 1971
- Frank Anthony Aguirre (18), 24. März 1972
- Mark Steven Scott (17), 20. April 1972
- Johnny Ray Delome (16), 21. Mai 1972
- Billy Gene Baulch Jr. (17), 26. Juni 1972
- Steven Sickman (17), 19. Juli 1972
- Roy Bunton (19), 21. August 1972
- Wally Jay Simoneaux (17), 3. Oktober 1972
- Richard Edward Hembree (16), 3. Oktober 1972
- Richard Kepner (19), 11. November 1972
- Joseph Allen Lyles (17), 20. Januar 1973
- William Ray Lawrence (15), 4. Juni 1973
- Raymond Stanley Blackburn (20), 16. Juni 1973
- Homer Louis Garcia (15), 7. Juli 1973
- John Sellars (17), 12. Juli 1973
- Michael Anthony Baulch (15), 19. Juli 1973
- Charles Cary Cobble (17), 25. Juli 1973
- Marty Ray Jones (18), 25. Juli 1973
- James Stanton Dreymala (13), 3. August 1973
Zusätzlich zu dieser Liste gehen Ermittler von mindestens zwei weiteren Opfern aus einer früheren Tatserie an der Columbia Street im Herbst 1971 aus, deren Identität bis heute nicht geklärt werden konnte. Auch bei einigen der oben genannten Todesfälle bestehen in den Quellen leichte Abweichungen bei Altersangaben und genauen Daten, da nicht alle Umstände lückenlos dokumentiert sind.
Die beiden Komplizen waren nicht nur Anwerber, sondern zumindest zeitweise auch aktiv an den Tötungen beteiligt, etwa indem sie Opfer festhielten oder in mindestens einem Fall selbst erschossen. Elmer Wayne Henley gab später an, zunächst geglaubt zu haben, die angeworbenen Jugendlichen würden lediglich an einen Menschenhandelsring verkauft, und habe erst nach und nach begriffen, dass er sie tatsächlich tötete.
Ermittlung und Festnahme
Am 8. August 1973 kam es in seiner Wohnung in Pasadena bei Houston zum Bruch zwischen den Tätern. Elmer Wayne Henley hatte in der Nacht zwei weitere Jugendliche mitgebracht, unter ihnen eine junge Frau. Als Dean Corll drohte, auch sie zu töten, und ihn zunächst fesselte, gelang es dem jungen Mann, sich zu befreien. Er griff zu einer Pistole und erschoss ihn mit mehreren Schüssen im Flur der Wohnung. Anschließend rief er selbst die Polizei und gestand den Schusswaffengebrauch sowie in der Folge auch die zurückliegenden Morde. Die Ermittler stuften die Tötung als Notwehr ein, sodass es deswegen nie zu einer Anklage gegen ihn kam.
Nach seinem Geständnis führten die Angaben der beiden Komplizen zur Auffindung der Massengräber. Allein im Bootsschuppen wurden 17 Leichen geborgen, weitere folgten am Strand von High Island und am Lake Sam Rayburn. Die Ausgrabungen zogen sich über mehrere Tage hin und wurden landesweit von Journalisten begleitet, da die Zahl der Todesopfer alles bis dahin in den USA bekannte Ausmaß überstieg.
Nachwirkungen
Elmer Wayne Henley wurde 1974 wegen sechs Morden zu sechs Strafen von jeweils 99 Jahren verurteilt. Nach der Aufhebung dieser Urteile sprach ihn ein zweiter Prozess erneut in allen sechs Fällen schuldig und verhängte sechs lebenslange Strafen. Er sitzt weiterhin in Texas ein. David Owen Brooks wurde 1975 wegen eines Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, seine Beteiligung an den übrigen Taten bestritt er zeitlebens. Er starb im Mai 2020 in Haft an den Folgen einer COVID-19-Erkrankung.
Der Fall Dean Corll gilt in den USA als einer der prägenden Serienmordfälle der 1970er-Jahre und wird in der kriminalpsychologischen Forschung häufig als Beispiel für die Dynamik zwischen einem erwachsenen Täter und minderjährigen Komplizen herangezogen, die durch finanzielle Anreize, emotionale Abhängigkeit und schrittweise Verstrickung in die Taten eingebunden wurden.
Die Polizei prüfte nach der Festnahme von Juan Corona ohne Ergebnis eine mögliche Verbindung zu Dean Corll.
Die verurteilten Komplizen Elmer Wayne Henley und David Owen Brooks werden in eigenen Profilen behandelt.