David Greenwood
- Aktive Jahre
- 1918
- Modus Operandi
- VergewaltigungErwürgen
Ein Rockknopf und ein Regimentsabzeichen, mit einem Stück Draht notdürftig zusammengehalten: Dieses unscheinbare Fundstück am Tatort machte aus einem 21-jährigen Kriegsveteranen den Hauptverdächtigen in einem der meistdiskutierten Indizienprozesse der britischen Rechtsgeschichte. David Greenwood wurde 1918 wegen des Mordes an der sechzehnjährigen Nellie Trew zum Tode verurteilt, saß fünfzehn Jahre im Gefängnis und beteuerte bis zu seiner Entlassung 1933 durchgehend seine Unschuld.
Werdegang
Er wurde 1897 geboren und diente drei Jahre lang als Sanitäter im Royal Army Medical Corps an der Westfront, bevor er 1917 wegen einer Verwundung aus dem Dienst entlassen wurde. Vor dem Krieg hatte er in Well Hall im Süden Londons gewohnt, einem Viertel voller Munitionsarbeiter, Soldaten und Kriegsheimkehrer, und war dort zeitweise Nachbar der jungen Nellie Trew gewesen, die als Angestellte im Woolwich Arsenal arbeitete. Zeugen beschrieben ihn übereinstimmend als unauffälligen jungen Mann mit tadellosem Leumund.
Die Tat
Am 10. Februar 1918 wurde Nellie Trew auf dem Eltham Common, einer offenen Grünfläche im Süden Londons, vergewaltigt und erwürgt aufgefunden. Neben ihrer Leiche lagen ein Mantelknopf und ein Abzeichen, das einem Regiment ähnelte, beide mit einem Stück Draht miteinander verbunden. Die Presse taufte den Fall bald „Badge and Button Murder”, das Abzeichen und der Knopf blieben monatelang die einzige Spur der Ermittler.
Ermittlung und Prozess
Nachdem Fotos der Fundstücke in Zeitungen veröffentlicht worden waren, zeigten Ermittler sie einem jungen Mann aus der Nachbarschaft, der das Abzeichen als sein Eigentum identifizierte. An seinem Mantel fehlte tatsächlich ein Knopf, dessen Abrissstelle exakt zum gefundenen Beweisstück passte. Mehr an handfesten Belegen hatte die Anklage nicht vorzuweisen, kein Zeuge hatte ihn je mit dem Opfer am Tatort gesehen. Am 24. April 1918 verhandelte das Old Bailey unter Richter Justice Atkin den Fall. Die Jury befand ihn dennoch für schuldig, das Gericht verhängte die Todesstrafe.
Begnadigung und anhaltende Zweifel
Am Vorabend seiner geplanten Hinrichtung, dem 31. Mai 1918, wandelte die Regierung das Urteil in lebenslange Zwangsarbeit um. Bis zu seiner Entlassung 1933 nach fünfzehn Jahren Haft blieb er bei seiner Aussage: „Ich bin dieses Verbrechens nicht schuldig. Ich weiß nichts darüber. Ich habe in meinem ganzen Leben nie mit Nellie Trew gesprochen.” Historiker und Kriminologen verweisen bis heute darauf, dass die gesamte Anklage auf einem einzigen Indizienbeweis beruhte, in einem Viertel, in dem tausende Männer ähnliche Uniformteile besaßen. Zweifel an der Verurteilung wurden seither wiederholt öffentlich diskutiert, unter anderem 2019 in der britischen Fernsehdokumentation „Murder, Mystery and My Family”.
Nachwirkungen
Über sein Leben nach der Entlassung 1933 ist nichts weiter bekannt. Das Abzeichen und der Knopf, die ihn ins Gefängnis brachten, sind bis heute im Crime Museum von Scotland Yard ausgestellt, stumme Zeugen eines Falls, der zeigt, wie schnell ein einzelnes belastendes Detail über ein Menschenleben entscheiden konnte.