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David Copeland

genannt „Der Nagelbomber von London"

Der Admiral Duncan Pub in der Old Compton Street in London, den David Copeland 1999 mit einer Nagelbombe angriff
No Swan So Fine / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
3
Opfer
„Der Nagelbomber von London"
inhaftiert
AttentäterLondon , Großbritannien
Aktive Jahre
1999
Modus Operandi
Sprengstoffanschlag

Drei Wochenenden, drei Bomben, drei tote Menschen: Im April 1999 wählte ein 22-jähriger Ingenieur seine Anschlagsziele in London so systematisch aus, dass jede Detonation eine andere Minderheit treffen sollte. David Copeland wollte damit nach eigenen Worten einen „Rassenkrieg” auslösen, am Ende traf sein letzter Sprengsatz Gäste eines Pubs, die einfach nur ihren Feierabend verbringen wollten.

Werdegang

David John Copeland wurde am 15. Mai 1976 im Londoner Stadtbezirk Hounslow geboren und wuchs im Örtchen Yateley in Hampshire auf. In der Schule erwarb er sieben Abschlussprüfungen, bevor er 1992 eine Ingenieurslehre begann und später am U-Bahn-Ausbau der Jubilee Line mitarbeitete. Als Teenager fürchtete er, homosexuell zu sein, und zog sich zunehmend von Familie und Freunden zurück. Fünf Psychiater diagnostizierten bei ihm später eine paranoide Schizophrenie, ein sechster eine Persönlichkeitsstörung. Im Mai 1997 trat er der rechtsextremen British National Party bei, wechselte 1998 aber zur noch radikaleren National Socialist Movement, wo er zum Regionalführer für Hampshire aufstieg.

Die Taten

Am 17. April 1999 explodierte gegen 17:25 Uhr eine selbstgebaute Nagelbombe an der Electric Avenue in Brixton, einem Viertel mit hohem Anteil schwarzer Bewohner. 48 Menschen wurden verletzt, niemand starb. Eine Woche später, am 24. April, detonierte eine zweite Bombe in der Hanbury Street im Londoner Osten, im Zentrum der bangladeschischen Gemeinde, direkt neben einer Polizeiwache. 13 Menschen erlitten Verletzungen. Am 30. April 1999 folgte der dritte und tödlichste Anschlag: Um 18:37 Uhr riss eine Bombe im Admiral Duncan Pub in Soho, einem bekannten Treffpunkt der Londoner Schwulenszene, drei Menschen in den Tod, Andrea Dykes (27), Nick Moore (31) und John Light (32). 79 weitere Gäste wurden verletzt, vier von ihnen verloren Gliedmaßen.

Ermittlung und Festnahme

Überwachungskameras in Brixton zeigten einen jungen Mann, der kurz vor der ersten Explosion mit einer Sporttasche den Tatort verließ. Ein Arbeitskollege erkannte den Gesuchten auf den veröffentlichten Bildern und alarmierte die Polizei, nur rund 80 Minuten bevor die dritte Bombe in Soho hochging. Noch in derselben Nacht nahmen Beamte David Copeland in Cove, Hampshire, fest. Er gestand sofort und ohne Umschweife: „Ja, das war alles ich. Ich habe es ganz allein gemacht.”

Prozess und Urteil

Vor dem Old Bailey versuchte die Verteidigung, eine Verurteilung wegen Totschlags durch verminderte Schuldfähigkeit zu erwirken, das Gericht lehnte dies ab. Am 30. Juni 2000 wurde er des dreifachen Mordes und mehrerer Sprengstoffdelikte für schuldig befunden und zu sechs lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Am 2. März 2007 legte der High Court eine Mindestverbüßungsdauer von 50 Jahren fest, eine Berufung dagegen scheiterte 2011.

Nachwirkungen

David Copeland wurde zunächst in die Broadmoor-Hochsicherheitsklinik eingewiesen, verbüßt seine Strafe inzwischen aber in der Haftanstalt Belmarsh. Frei kommen kann er frühestens 2049. Auch hinter Gittern blieb er gewalttätig: 2014 griff er einen Mitgefangenen mit einer improvisierten Waffe an und erhielt dafür 2015 eine zusätzliche Haftstrafe. Der Admiral Duncan Pub öffnete nach dem Anschlag mit einer pink-lila Fassade und einer Regenbogenflagge über dem Eingang neu, bis heute ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich die Londoner Schwulenszene von dem Anschlag nicht vertreiben ließ.