David Bieber
- Aktive Jahre
- 2003
- Modus Operandi
- Erschießen
Ein früherer US-Marine, gesucht wegen eines Auftragsmordversuchs in Florida, lebt unter falschem Namen in England und wird an Weihnachten 2003 auf eine Routinekontrolle wegen eines gestohlenen Autos angesprochen. Statt sich auszuweisen, zieht er eine Pistole und erschießt einen Polizisten mit einem gezielten Kopfschuss. David Bieber wollte um jeden Preis verhindern, in die USA ausgeliefert zu werden.
Werdegang
David Francis Bieber wurde am 3. Februar 1966 in Fort Myers, Florida, geboren. Er arbeitete als Nachtclub-Türsteher, Bodybuilder und Steroidhändler. Im Februar 1995 geriet er in den USA in Verdacht, die Ermordung des Bodybuilders und Steroid-Importeurs Markus Mueller angestiftet zu haben. Im November desselben Jahres feuerte er vier Schüsse auf seine frühere Freundin Michelle Marsh ab, die alle ihr Ziel verfehlten. 1996 verließ er die Vereinigten Staaten mit einem gefälschten Pass unter dem Namen Nathan Wayne Coleman und tauchte in England unter.
Die Tat
Am 26. Dezember 2003 kontrollierten drei Polizisten in Leeds ein verdächtiges Fahrzeug. David eröffnete das Feuer mit einer 9-Millimeter-Handfeuerwaffe, gab innerhalb von drei Sekunden vier Schüsse ab und traf den 34-jährigen Police Constable Ian Broadhurst tödlich mit einem Kopfschuss, nachdem der Beamte bereits wehrlos am Boden lag. PC Neil Roper wurde angeschossen und verletzt, ein Schuss auf PC James Banks traf dessen Funkgerät. Er wollte mit der Tat offenbar eine Festnahme und die drohende Auslieferung in die USA verhindern.
Ermittlung und Festnahme
Ermittler sicherten Fingerabdrücke von einem Süßigkeitspapier in einem Streifenwagen und glichen eine Stimmanalyse ab, die auf einen amerikanischen Südstaaten-Akzent hindeutete. Ein Abgleich mit einer FBI-Datenbank identifizierte den gesuchten Mann bereits am vierten Tag der Fahndung. Videoaufnahmen, Bankabhebungen und Zeugenhinweise erlaubten es der Polizei, seine Bewegungen nachzuverfolgen. In den frühen Morgenstunden des 31. Dezember 2003 nahm ihn ein Spezialeinsatzkommando im Royal Hotel nahe Gateshead fest. In seinem Zimmer fanden die Beamten eine geladene Pistole unter dem Bett sowie rund 300 Schuss Munition. David ergab sich widerstandslos und äußerte sich bei der Festnahme mit keinem Wort.
Prozess
Vor dem Newcastle Crown Court dauerte der Prozess zwei Wochen. David behauptete, ein anderer Bekannter aus Florida habe die tödlichen Schüsse abgegeben, konnte diese Person jedoch nicht benennen. Fingerabdrücke, ein Stimmenvergleich mit Aufnahmen aus einem Glücksspiellokal, Zeugenaussagen und DNA-Spuren überführten ihn eindeutig. Am 2. Dezember 2004 verurteilte ihn das Gericht wegen Mordes, zweier versuchter Tötungen und illegalen Waffenbesitzes zu lebenslanger Haft ohne Aussicht auf Bewährung, einer der ersten sogenannten „Whole-Life-Tariffs“, die ein britisches Gericht in dieser Zeit verhängte.
Nachwirkungen
Im Oktober 2006 bestätigte ein Berufungsgericht den Schuldspruch. Im Juli 2008 reduzierte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die lebenslange Haftstrafe auf eine Mindesthaftdauer von 37 Jahren, was eine frühestmögliche Entlassung im Jahr 2041 im Alter von 75 Jahren erlauben würde. Im Oktober 2007 wurde ein von ihm geplanter Fluchtversuch per Hubschrauber entdeckt und vereitelt. Im August 2017 griff David Bieber während seiner Haft in der Justizvollzugsanstalt Long Lartin eine Vollzugsbeamtin mit einer Eisenstange an und erhielt dafür eine zweite lebenslange Freiheitsstrafe. Bei einem eventuellen Antrag auf Entlassung droht ihm weiterhin die Auslieferung an die USA wegen der ungeklärten Vorwürfe aus Florida.