Danilo Restivo
- Aktive Jahre
- 1993–2002
- Modus Operandi
- ErstechenStumpfe GewaltZerstückelung
Knapp neun Jahre nachdem die 16-jährige Elisa Claps aus einer Kirche in Potenza verschwunden war, wurde Heather Barnett in England in ihrer Wohnung getötet. Abgeschnittenes Haar verband beide Fälle. Die italienische RAI-Fallchronik dokumentiert, wie Danilo Restivo nach dem britischen Schuldspruch auch wegen des ersten Mordes rechtskräftig zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde.
Werdegang
Danilo Restivo wurde am 3. April 1972 in Erice auf Sizilien geboren. Seine Familie zog später nach Sardinien und schließlich nach Potenza in der süditalienischen Region Basilikata, wo sein Vater eine Bibliothek aufbaute. Schon als Jugendlicher fiel er durch beunruhigendes Verhalten auf: 1986 fesselte er zwei Kinder und verletzte eines von ihnen mit einem Messer, 1992 wurde er wegen der Belästigung von fünf Mädchen verurteilt. Bekannt wurde Danilo in seiner Heimatstadt vor allem für eine Marotte, die harmlos wirkte, es aber nicht war: Er schnitt Frauen heimlich Haarsträhnen ab, offenbar aus sexuellem Antrieb.
Die erste Tat: Elisa Claps
Am 12. September 1993 verschwand die 16-jährige Elisa Claps spurlos, nachdem sie zuletzt in der Kirche der Heiligsten Dreifaltigkeit in Potenza gesehen worden war. Danilo war einer der Letzten, die mit ihr gesprochen hatten, und geriet sofort unter Verdacht. Er behauptete, sie habe die Kirche vor ihm verlassen. Ein Priester verweigerte damals eine gründliche Durchsuchung des Gebäudes, seine Familie lehnte es ab, seine Kleidung zur Untersuchung herauszugeben. Ohne Leiche und ohne stichhaltige Beweise blieb der Fall ungeklärt, er wurde lediglich wegen falscher Zeugenaussage verurteilt. Erst im März 2010 wurde Elisa Claps’ Leichnam entdeckt, versteckt unter den Dachziegeln der Kirche, wo sie 17 Jahre gelegen hatte.
Die zweite Tat: Heather Barnett
Er verließ Italien nach seinem Meineidsprozess 1996 und zog 2002 nach Bournemouth an der englischen Südküste, wo er Fiamma Marsango heiratete. Am 12. November 2002 wurde die 48-jährige Heather Barnett, eine Nachbarin, in ihrer Wohnung ermordet: mit einem Hammer erschlagen, die Kehle durchgeschnitten, ihre Brüste abgetrennt. In ihrer rechten Hand fand die Polizei fremdes Haar, unter ihrer linken lag eine Locke, die offenbar ihm selbst gehörte. Danilo Restivo gehörte von Beginn an zu den Verdächtigen, er war einer der Ersten am Tatort gewesen und hatte sogar die Kinder des Opfers getröstet.
Ermittlung und Festnahme
Die Ermittlungen zogen sich über Jahre. Kurz nach der Tat fand die Polizei seine Turnschuhe in Bleichlösung getränkt vor. 2004 stellten Ermittler ihn unter Überwachung, Aufnahmen zeigten ihn mit Handschuhen beim heimlichen Beobachten von Frauen. Bei einer Hausdurchsuchung 2006 entdeckte man eine abgeschnittene Haarlocke in seinem Besitz. Ein Handtuch aus Heather Barnetts Badezimmer enthielt gemischte DNA-Spuren von ihr und ihm, eine erneute Analyse 2008 erhärtete den Verdacht weiter. Den entscheidenden Durchbruch brachte jedoch erst der Fund von Elisa Claps’ Leiche in Italien im Jahr 2010: italienische Ermittler erkannten Parallelen zwischen den ritualartig platzierten Haaren bei beiden Opfern und informierten die britischen Behörden. Im Mai 2010 wurde Danilo Restivo verhaftet.
Prozess und Verurteilung
Der Prozess in England konzentrierte sich auf den Mord an Heather Barnett, für den die Beweislage am stärksten war. Am 29. Juli 2011 sprach ihn ein Gericht am Winchester Crown Court nach siebenwöchiger Verhandlung schuldig, im Berufungsverfahren wurde die Mindesthaftdauer im November 2012 auf 40 Jahre festgesetzt. Ein italienisches Gericht verurteilte ihn im November 2011 zusätzlich in Abwesenheit wegen des Mordes an Elisa Claps zu 30 Jahren Haft.
Nachwirkungen
Danilo Restivo sitzt bis heute in einem englischen Hochsicherheitsgefängnis ein. Ermittler und die britische Criminal Cases Review Commission prüften nach seiner Verurteilung mögliche Verbindungen zu weiteren ungeklärten Fällen, unter anderem zum Tod der südkoreanischen Studentin Jong-Ok Shin, die 2002 ebenfalls in Bournemouth getötet wurde. Bewiesen wurde bislang keiner dieser Verdachtsfälle, sein Beiname als „Bournemouth Ripper” in britischen Medien blieb dennoch bestehen.