Colin Ireland
- Aktive Jahre
- 1993
- Modus Operandi
- ErwürgenErstickenBrandstiftung
Fünf Männer suchte Colin Ireland 1993 in derselben Londoner Kneipe aus. Nach gut drei Monaten beendeten eine Überwachungskamera und Fingerabdrücke die Mordserie. Am Old Bailey bekannte er sich zu allen fünf Taten und erhielt fünf lebenslange Haftstrafen.
Werdegang
Colin Ireland wurde am 16. März 1954 unehelich in Dartford in der Grafschaft Kent geboren, seinen Vater lernte er nie kennen. Seine Kindheit war von häufigen Umzügen und mehreren Schulwechseln geprägt, in der Jugend erlebte er nach eigenen späteren Angaben mehrfach unerwünschte sexuelle Annäherungen älterer Männer. Zwischen den 1970er und 1980er Jahren saß er wiederholt wegen Diebstahls, Einbruchs und Betrugs im Gefängnis, wurde jedoch nie wegen eines Gewaltverbrechens verurteilt. Später arbeitete er unter anderem als Koch, Türsteher und ehrenamtlicher Helfer in Obdachlosenunterkünften und war zweimal verheiratet, beide Ehen scheiterten.
Die Taten
Sein erstes Opfer, den 45-jährigen Choreographen Peter Walker, lernte er am 8. März 1993 im Coleherne in Earls Court kennen, einer bei homosexuellen Männern beliebten Kneipe, und folgte ihm in dessen Wohnung in Battersea, wo er ihn fesselte, misshandelte und schließlich mit einer Plastiktüte erstickte. Ende Mai folgte der 37-jährige Bibliothekar Christopher Dunn in Wealdstone, den er fesselte, mit einem Feuerzeug quälte und ebenfalls erstickte, nachdem er ihn zur Herausgabe seiner Bankdaten gezwungen hatte. Anfang Juni erwürgte er in Kensington den 35-jährigen US-Geschäftsmann Perry Bradley III. im Schlaf, kurz darauf den 33-jährigen Hausverwalter Andrew Collier in dessen Wohnung in Dalston, wo er zusätzlich dessen Katze tötete. Als letztes Opfer starb Mitte Juni der 41-jährige maltesische Koch Emanuel Spiteri in Catford, dessen Wohnung er anschließend in Brand setzte.
Ermittlung und Festnahme
Die Polizei erkannte den Zusammenhang zwischen den Fällen zunächst nicht, bis auffällige Gemeinsamkeiten im Vorgehen und in der Opferauswahl auffielen. Ein Kriminalpsychologenteam erstellte ein Täterprofil, das unter anderem von den Experten Paul Britton und dem amerikanischen FBI-Profiler Robert Ressler mitentwickelt wurde. Den entscheidenden Hinweis lieferten eine Überwachungskamera, die ihn mit Emanuel Spiteri kurz vor dessen Tod zeigte, sowie Fingerabdrücke aus der Wohnung Andrew Colliers. Er selbst meldete sich mehrfach anonym bei der Polizei und gab Hinweise zu den Taten, ehe er am 19. Juli 1993 über seinen Anwalt Kontakt zu den Ermittlern aufnahm. Am 21. Juli wurde er festgenommen.
Prozess
Während der Untersuchungshaft gestand er im August 1993 alle fünf Morde. Vor Gericht erklärte er, die Taten seien sein „Vorsatz fürs neue Jahr” gewesen, ein sexuelles Motiv bestritt er, er sei selbst heterosexuell und habe seine Opfer allein deshalb gewählt, weil sie ihm als „leichte Ziele” erschienen. Der Richter am Old Bailey verurteilte ihn am 20. Dezember 1993 zu fünfmal lebenslanger Haft ohne Aussicht auf Entlassung und fasste die Tat in einem vielzitierten Satz zusammen: Ein Menschenleben zu nehmen sei eine Ungeheuerlichkeit, fünf zu nehmen ein Gemetzel.
Nachwirkungen
Colin Ireland verbrachte den Rest seines Lebens in Haft, unter anderem im Hochsicherheitsgefängnis Wakefield, wo Mithäftlinge ihn verdächtigten, an der Tötung eines dort einsitzenden Kindermörders beteiligt gewesen zu sein, was zu seiner Verlegung ins schärfer bewachte Whitemoor Prison führte. Er starb am 21. Februar 2012 im Gefängnis Wakefield an den Folgen einer Lungenfibrose und eines zuvor erlittenen Hüftbruchs. Der Fall gilt in Großbritannien bis heute als eines der prägnantesten Beispiele eines Täters, der sich seine Opfer gezielt nach ihrer vermeintlichen Verletzlichkeit aussuchte, ohne selbst zuvor durch Gewalt aufgefallen zu sein.