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Christine Papin

genannt „Die mörderischen Dienstmädchen von Le Mans"

Porträtfoto von Christine Papin aus dem Jahr 1933
Agence Mondial Photo-Presse, via Gallica/Wikimedia Commons · Public Domain (anonymes Werk, Schutzfrist abgelaufen)
2
Opfer
„Die mörderischen Dienstmädchen von Le Mans"
verstorben
TotschlägerLe Mans , Frankreich
Aktive Jahre
1933

Christine Papin, geboren am 8. März 1905, tötete am 2. Februar 1933 gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Léa Papin in Le Mans die Ehefrau und die erwachsene Tochter des Anwalts, bei dem beide als Hausangestellte arbeiteten. Der Doppelmord löste in Frankreich eine breite gesellschaftliche Debatte über die Behandlung von Dienstboten aus und beschäftigte unter anderem Jean Genet, Jean-Paul Sartre und Jacques Lacan.

Werdegang

Christine und ihre Schwester Léa wuchsen in Dörfern südlich von Le Mans in zerrütteten Familienverhältnissen auf und verbrachten wegen der Ehekrise ihrer Eltern Teile ihrer Kindheit in kirchlichen Erziehungsheimen. Eine ältere Schwester, Emilia, wurde später Nonne. Ab 1926 arbeitete Christine als Köchin im Haushalt des pensionierten Anwalts René Lancelin in Le Mans und überredete die Familie bald darauf, auch Léa als Zimmermädchen einzustellen. Die Schwestern bewohnten gemeinsam ein Zimmer im obersten Stockwerk des Hauses, hielten sich weitgehend von der übrigen Dienerschaft fern und galten bei der Familie Lancelin als fleißig und zuverlässig.

Die Tat

Am Abend des 2. Februar 1933 fiel während des Bügelns kurzzeitig der Strom aus. Als Léonie Lancelin Christine deswegen zur Rede stellte, eskalierte die Situation innerhalb weniger Minuten zu offener Gewalt. Christine attackierte zunächst die herbeigeeilte Tochter Geneviève und stach ihr die Augen aus, während Léa sich auf die Mutter stürzte. Gemeinsam schlugen die Schwestern anschließend mit einem Hammer, einem Zinnkrug und einem Küchenmesser auf beide Frauen ein, bis diese bis zur Unkenntlichkeit entstellt waren. Der Angriff dauerte nach späteren Rekonstruktionen rund eine halbe Stunde. Nach der Tat wuschen sich die Schwestern, zogen sich aus und warteten gemeinsam im Bett auf das Eintreffen der Polizei.

Festnahme und Prozess

Beide Frauen wurden noch am selben Abend verhaftet und gestanden die Tat umgehend, jede von ihnen versuchte dabei zunächst, die alleinige Verantwortung zu übernehmen, um die andere zu schützen. Der Prozess im September 1933 wurde zu einem nationalen Medienereignis, vor dem Gerichtsgebäude in Le Mans musste die Polizei die Zuschauermassen zurückhalten. Die Verteidigung führte eine erhebliche familiäre Vorbelastung an: Der Großvater der Schwestern hatte unter Wutanfällen und Epilepsie gelitten, der gemeinsame Vater war Alkoholiker und hatte die ältere Schwester Emilia als Kind missbraucht. Gerichtsmediziner beschrieben zudem eine auffällige psychische Abhängigkeit Léas von der dominanteren Christine. Das Gericht befand beide für schuldfähig: Christine wurde zum Tode verurteilt, das Urteil aber, wie bei Frauen zu dieser Zeit üblich, zu lebenslanger Haft begnadigt. Léa erhielt wegen der angenommenen völligen Abhängigkeit von ihrer Schwester nur zehn Jahre Haft.

Nachwirkungen

Die Trennung von ihrer Schwester nach dem Urteil traf Christine offenbar besonders hart. Bereits im Juli 1933 versuchte sie im Gefängnis, sich selbst die Augen auszureißen, und musste in eine Zwangsjacke gelegt werden. Kurz darauf wurde sie in eine psychiatrische Anstalt in Rennes verlegt, wo sie zunehmend die Nahrungsaufnahme verweigerte. Christine Papin starb dort am 18. Mai 1937 im Alter von 32 Jahren an den Folgen völliger körperlicher Auszehrung. Der Fall inspirierte in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche literarische und filmische Bearbeitungen, darunter Jean Genets Theaterstück „Die Zofen”, auch wenn Jean Genet selbst einen direkten Bezug zum realen Fall stets bestritt.

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