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Christian Ranucci

Das Gefängnis Les Baumettes in Marseille, Ort der Hinrichtung von Christian Ranucci
Lu-xin, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Christian Ranucci wurde am 6. April 1954 in Avignon geboren. Am 3. Juni 1974 entführte, vergewaltigte und tötete er in Marseille die achtjährige Marie-Dolorès Rambla. Er wurde dafür 1976 zum Tode verurteilt und am 28. Juli desselben Jahres im Gefängnis Les Baumettes in Marseille durch die Guillotine hingerichtet, als einer der letzten Menschen, die in Frankreich je durch die Guillotine starben. Bis heute bestehen erhebliche Zweifel, ob er wirklich der Täter war.

Die Tat

Am 3. Juni 1974 wurde die achtjährige Marie-Dolorès Rambla vor den Augen ihrer älteren Schwester in einem Marseiller Wohnviertel in ein Auto gezerrt und verschleppt. Ihre Leiche wurde noch am selben Tag in einem Bachlauf am Stadtrand gefunden, sie war mehrfach mit einem Messer erstochen und zusätzlich mit Steinen geschlagen worden.

Festnahme und Geständnis

Nur zwei Tage nach der Tat wurde er in Nizza festgenommen, weniger als eine Stunde nachdem die Leiche entdeckt worden war. Nach einem etwa fünfzehnstündigen, ununterbrochenen Verhör legte er am 6. Juni 1974 ein Geständnis ab, das er später widerrief und als unter Druck zustande gekommen bezeichnete. Die Ermittler fanden zudem in der Nähe eines Pilzfelds, auf dem er an jenem Nachmittag gesehen worden war, ein Messer.

Prozess und Hinrichtung

Der Prozess vor dem Schwurgericht in Aix-en-Provence begann am 9. März 1976 und endete bereits am folgenden Tag mit dem Todesurteil. Ein Gnadengesuch blieb erfolglos. Am 28. Juli 1976 um 4:13 Uhr morgens wurde er im Gefängnis Les Baumettes hingerichtet, laut Berichten sollen seine letzten Worte sinngemäß „Rehabilitiert mich” gewesen sein.

Zweifel an der Schuld

Bereits kurz nach der Hinrichtung äußerte der Schriftsteller Gilles Perrault in seinem Buch „Le Pull-over rouge” (1979) erhebliche Zweifel an der Beweisführung: widersprüchliche Zeugenaussagen zu Fahrzeug und Täterbeschreibung, ein möglicherweise erzwungenes Geständnis und ungeklärte Ungereimtheiten bei den Spurenbeweisen. Das Buch, später auch verfilmt, trug maßgeblich zur öffentlichen Debatte über die Todesstrafe bei und gilt als einer der Auslöser für deren Abschaffung in Frankreich 1981. 2005 kam zusätzlich die Vermutung auf, der Serienmörder Michel Fourniret könnte für die Tat verantwortlich gewesen sein, ein Verdacht, der sich jedoch nicht erhärten ließ. Eine gerichtliche Wiederaufnahme des Verfahrens erfolgte nie, sodass die Frage nach der tatsächlichen Täterschaft bis heute offen bleibt.