Christa Pike
- Aktive Jahre
- 1995
- Modus Operandi
- ErstechenStumpfe GewaltFolterKomplizen
Christa Gail Pike, geboren 1976, ist die einzige Frau im Todestrakt des US-Bundesstaats Tennessee. Verurteilt wurde sie 1996 für einen Mord, den sie im Jahr zuvor als 18-Jährige begangen hatte: Gemeinsam mit zwei anderen Jugendlichen folterte und tötete sie die 19-jährige Colleen Slemmer. Der Fall gilt als außergewöhnlich, weil sie zugleich Täterin und, nach dokumentierter Kindheit voller Gewalt und Missbrauch, auch Opfer war. Wie es um den Vollzug ihrer Todesstrafe steht, schildert die Schlagzeile Tennessee: Hinrichtung von Christa Pike gescheitert, Gouverneur stoppt alle weiteren Exekutionen.
Eine von Gewalt geprägte Kindheit
Ihre Anwälte, die Menschenrechtsorganisation Amnesty International und Unterstützerkampagnen beschreiben eine extrem belastete Kindheit. Sie sei bereits mit einer durch Alkoholmissbrauch der Mutter während der Schwangerschaft verursachten Hirnschädigung zur Welt gekommen und habe schon als Säugling unter Krampfanfällen gelitten. Sie wurde nach diesen Angaben wiederholt geschlagen und missbraucht, wuchs in instabilen Verhältnissen zwischen den getrennten Eltern auf und wechselte bis zu ihrem Schulabschluss zwölfmal die Schule.
Bis zu ihrem 18. Lebensjahr sei sie mehrfach vergewaltigt, von zahlreichen Familienmitgliedern körperlich misshandelt und von mehreren Personen sexuell missbraucht worden. Sie unternahm als Jugendliche mehrere Suizidversuche. Ärzte diagnostizierten bei ihr später eine bipolare Störung und eine posttraumatische Belastungsstörung; eine angemessene Behandlung erhielt sie nach Darstellung ihrer Verteidiger erst in Haft. 1994 schrieb sie sich in ein Job-Corps-Ausbildungsprogramm in Knoxville ein.
Die Tat
Im Jahr 1995 lockten drei Jugendliche die 19-jährige Colleen Slemmer, die Christa Pike aus dem Job-Corps-Programm kannte, in ein abgelegenes Waldstück nahe der University of Tennessee in Knoxville. Christa Pike, damals 18 Jahre alt, ihr 17-jähriger Freund Tadaryl Shipp und die 18-jährige Shadolla Peterson waren an dem Abend gemeinsam unterwegs, als die Situation eskalierte. Sie hatte Slemmer vorgeworfen, sie beleidigt und ihr den Freund ausspannen zu wollen.
Nach der Darstellung der Ermittler schlug und trat die Täterin das Opfer, attackierte es mit einem Messer und schlug Slemmer schließlich mit einem Stück Asphalt den Kopf ein. Der Leiche wurde ein Pentagramm in die Brust geritzt; sie bestreitet, dieses selbst eingeritzt zu haben. Zwei weitere Bewohner des Camps sagten später aus, sie habe sich der Tat gebrüstet und ihnen ein Stück von Slemmers Schädel gezeigt. Am Tag nach der Tat gestand sie gegenüber der Polizei die Tötung.
Prozess und Verurteilung
Knapp ein Jahr nach dem Mord, 1996 und nur wenige Wochen nach ihrem 20. Geburtstag, wurde Christa Pike zum Tode verurteilt. Von den drei beteiligten Jugendlichen war sie die Einzige, die die Todesstrafe erhielt. Ihr damaliger Freund Tadaryl Shipp wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit der Möglichkeit einer Bewährung verurteilt, Shadolla Peterson, die bei der Tat Wache gehalten hatte, kam mit einer Bewährungsstrafe davon.
Nach eigener Darstellung war ihr auch ein Strafmaß von lebenslanger Haft angeboten worden, wenn sie auf einen Prozess verzichte. Ihr damaliger Anwalt habe ihr davon abgeraten, in der Überzeugung, dass keine Jury „ein hübsches, junges, weißes Mädchen“ zum Tode verurteilen würde. Der Anwalt bestreitet diese Darstellung.
Todestrakt und drohende Hinrichtung
Christa Pike verbrachte rund drei Jahrzehnte im Todestrakt und war zum Zeitpunkt ihrer Inhaftierung die jüngste Person in der Todeszelle von Tennessee. Sie bestreitet ihre Schuld nicht und äußert Reue: „Ich habe jemandem das Kind, die Schwester und die Freundin genommen“, sagte sie; es mache sie heute krank, zu solch einem Verbrechen fähig gewesen zu sein.
Für den 30. September 2026 wurde ihre Hinrichtung angesetzt; es wäre die erste Exekution einer Frau in Tennessee seit 1819 gewesen. Amnesty International und Experten der Vereinten Nationen forderten einen Stopp, während die Mutter des Opfers sich empört über die Aufmerksamkeit für sie zeigte. Rund eine Stunde vor dem geplanten Vollzug setzte ein Bundesberufungsgericht die Hinrichtung zunächst aus (Schlagzeile zum Aufschub). Noch am selben Abend hob der Oberste Gerichtshof der USA die Aussetzung auf. Der anschließende Hinrichtungsversuch mit der Giftspritze scheiterte: Christa Pike überlebte zwei Dosen Pentobarbital und kam in kritischem Zustand in ein Krankenhaus. Gouverneur Bill Lee ordnete eine externe Untersuchung an und setzte alle übrigen Hinrichtungen des Jahres 2026 aus. Die Einzelheiten beschreibt die Schlagzeile Tennessee: Hinrichtung von Christa Pike gescheitert, Gouverneur stoppt alle weiteren Exekutionen.