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Charles Cullen

Straße in Somerville, New Jersey, wo Charles Cullens Taten 2003 aufflogen
Curlyrnd, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
29
Opfer
inhaftiert
SerienmörderSomerville , USA
Aktive Jahre
1988–2003
Modus Operandi
Vergiftung

Warnungen aus einer Krankenhausapotheke brachten 2003 eine Tatserie ans Licht, die sechzehn Jahre gedauert hatte. Charles Cullen wechselte zwischen Kliniken in New Jersey und Pennsylvania und verabreichte Patienten tödliche Medikamentendosen. Der Jahresbericht der Generalstaatsanwaltschaft von New Jersey dokumentiert das bundesstaatenübergreifende Verfahren; insgesamt bekannte sich der Krankenpfleger später zu 29 Tötungen.

Werdegang

Er wurde am 22. Februar 1960 in West Orange, New Jersey, als jüngstes von acht Kindern geboren. Sein Vater starb, als er noch ein Kleinkind war, seine Mutter kam bei einem Autounfall ums Leben, als er 17 Jahre alt war. Nach der High School diente er kurz bei der US Navy auf einem U-Boot, wurde jedoch wegen psychischer Auffälligkeiten und mehrerer Suizidversuche vorzeitig entlassen. Anschließend absolvierte er eine Ausbildung zum examinierten Krankenpfleger und begann 1987 seine erste Anstellung am St. Barnabas Medical Center in Livingston, New Jersey.

Kriminelle Aktivitäten

Er wechselte in den folgenden anderthalb Jahrzehnten auffällig häufig die Arbeitsstelle, oft nachdem Kliniken unerklärliche Todesfälle oder Auffälligkeiten in seinem Verhalten registriert hatten, ohne dass ihn ein Arbeitgeber je bei den Behörden anzeigte. Er tötete Patienten überwiegend durch intravenös verabreichte Überdosen von Digoxin, Insulin oder gerinnungshemmenden Mitteln, wodurch Herzrhythmusstörungen oder schwere Unterzuckerungen ausgelöst wurden, die im Klinikalltag zunächst nicht auffielen. Sein erstes Opfer, wie er später gestand, war der Richter John W. Yengo Sr. im Juni 1988 am St. Barnabas Medical Center. Weitere Taten folgten unter anderem am Warren Hospital in Phillipsburg, am Hunterdon Medical Center, am Morristown Memorial Hospital sowie an mehreren Kliniken in Pennsylvania, darunter das Easton Hospital, das Lehigh Valley Hospital und das St. Luke’s Hospital in Bethlehem.

Als Motiv gab er an, er habe leidende oder aus seiner Sicht aussichtslose Patienten von ihrem Sterben erlösen wollen. Ermittler wiesen jedoch nach, dass etliche seiner Opfer keineswegs im Sterben lagen, sondern sich auf dem Weg der Besserung befanden, was diese Erklärung erheblich in Zweifel zieht.

Ermittlung und Festnahme

Im Sommer 2003, während seiner letzten Anstellung am Somerset Medical Center in Somerville, New Jersey, häuften sich ungeklärte Todesfälle und schwere Zwischenfälle auf der Station. Ein automatisiertes Warnsystem der Krankenhausapotheke schlug wiederholt wegen ungewöhnlicher Medikamentenabrufe Alarm. Im Oktober 2003 lieferte die Auswertung der elektronischen Zugriffsprotokolle den entscheidenden Hinweis: Charles Cullen hatte wiederholt auf Patientenakten zugegriffen, für die er gar nicht zuständig war. Am 12. Dezember 2003 wurde er festgenommen und legte noch am selben Tag ein erstes Geständnis ab.

Prozess

Im April 2004 bekannte er sich in New Jersey im Rahmen einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft zu 13 Morden schuldig, im November 2004 gestand er in Pennsylvania sechs weitere Morde sowie drei versuchte Morde. Im Gegenzug für seine Kooperation bei der Aufklärung der Fälle und die Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Opfer verzichtete die Anklage auf die Todesstrafe. Am 2. März 2006 verurteilte ihn ein Gericht in Pennsylvania zu elf lebenslangen Haftstrafen, die zusammen mit dem New Jersey-Urteil eine Gesamtstrafe von umgerechnet weit über 100 Jahren ohne Aussicht auf Bewährung ergaben.

Nachwirkungen

Er sitzt seither im New Jersey State Prison in Trenton ein. Sein Fall gilt als einer der folgenreichsten in der amerikanischen Krankenhausgeschichte, weil er offenlegte, wie leicht ein auffälliger Mitarbeiter über Jahre hinweg zwischen Kliniken wechseln konnte, ohne dass Warnsignale weitergegeben wurden. Mehrere der Einrichtungen, die ihn beschäftigt hatten, einigten sich später mit Opferfamilien auf Entschädigungszahlungen. Sein Fall inspirierte unter anderem das Buch „The Good Nurse” von Charles Graeber sowie eine gleichnamige Verfilmung.

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