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Carl Großmann

Polizeifoto von Carl Großmann mit Unterschrift, 1921
Wikimedia Commons · Public Domain
3
Opfer
Suizid
SerienmörderBerlin , Deutschland
Aktive Jahre
1918–1921

Drei Morde standen vor Gericht, doch zu einem Urteil kam es nicht. Carl Friedrich Wilhelm Großmann nahm sich am 5. Juli 1922 während der Hauptverhandlung das Leben. Eine wissenschaftliche Auswertung der Berliner Polizei- und Gerichtsakten zeigt, wie stark schon zeitgenössische Berichte zwischen belegten Taten und Spekulation schwankten. Die drei angeklagten Tötungen bilden deshalb die belastbare Untergrenze, nicht drei rechtskräftig festgestellte Morde.

Werdegang

Als Sohn eines Lumpensammlers aufgewachsen, arbeitete er zunächst als Schlachtergeselle, bevor er über Jahre als Landstreicher durch das Deutsche Reich zog. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde er mehrfach wegen Sexualdelikten und Körperverletzung verurteilt. 1899 missbrauchte er am selben Tag ein zehnjähriges und ein vierjähriges Mädchen, das jüngere Kind starb später an den Folgen der Tat. Dafür wurde er zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Rückkehr nach Berlin im Jahr 1913 betrieb er in der Nähe des Schlesischen Bahnhofs, des heutigen Ostbahnhofs, einen kleinen Wurststand, über den er Kontakt zu potenziellen Opfern knüpfte.

Taten

Zwischen 1918 und 1921 lockte er wiederholt Prostituierte und allein reisende, mittellose Frauen in seine Wohnung in der Langen Straße, tötete und zerstückelte sie dort. Einzelne Körperteile fand die Polizei später in seinem Kohleherd. Im Engelbecken und im Luisenstädtischen Kanal in Friedrichshain wurden über die Jahre insgesamt 23 zerstückelte Frauenleichen angeschwemmt, ohne dass die Polizei zunächst einen Zusammenhang mit ihm herstellte. Wie viele dieser Toten tatsächlich auf sein Konto gingen, ließ sich später nicht mehr abschließend klären, Schätzungen reichen von 20 bis über 100 Opfern über die gesamte Zeit seines Umherziehens.

Festnahme

Am 21. August 1921 wurde er von Nachbarn auf frischer Tat ertappt, nachdem diese Schreie aus seiner Wohnung gehört hatten. Die Polizei fand ihn neben der Leiche seines letzten Opfers, Marie Nitsche, sowie verkohlte menschliche Überreste in seinem Ofen.

Tod vor Prozessende

Während der laufenden Hauptverhandlung, in der ihm bis dahin drei Morde zweifelsfrei nachgewiesen worden waren, erhängte er sich am 5. Juli 1922 in seiner Zelle. Ein rechtskräftiges Urteil erging deshalb nie, was auch die abschließende Klärung der tatsächlichen Opferzahl bis heute verhindert.

Nachwirkungen

Er gilt in der deutschen Kriminalgeschichte als einer der mutmaßlich opferreichsten Serienmörder überhaupt, ohne dass ihm dies je gerichtlich bestätigt wurde. Sein Fall wird häufig im selben Atemzug mit dem seines Zeitgenossen Fritz Haarmann genannt, mit dem er einige Parallelen in Vorgehen und sozialem Umfeld teilte.

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