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Brian Blackwell

Kirche in Melling, Merseyside, dem Wohnort von Brian Blackwells Eltern zur Tatzeit
Peter Hodge / Geograph Britain and Ireland / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
2
Opfer
frei
TotschlägerMelling , Großbritannien
Aktive Jahre
2004

Während sein Vater und seine Mutter sechs Wochen lang tot in ihrem eigenen Haus lagen, saß ihr Sohn am Strand in den USA und genoss einen Urlaub, den er mit ihrem Geld bezahlt hatte. Brian Blackwell galt als Musterschüler mit Tennis-Stipendium und Medizinstudienplatz, in Wahrheit hatte er sich eine komplette Lügenwelt aus Sponsorenverträgen und Luxusautos erfunden, und als seine Eltern ihm auf die Schliche kamen, erschlug er sie.

Werdegang

Brian Mark Blackwell wurde 1986 in West Lancashire geboren und wuchs im beschaulichen Melling, einem Vorort von Liverpool in der Grafschaft Merseyside, auf. Seine Eltern Sydney und Jacqueline Blackwell galten als fürsorglich, aber auch als überbehütend und kontrollierend. Der Sohn erhielt ein Stipendium für das renommierte Liverpool College, war Tennis-Landesmeister in seiner Altersklasse und hatte einen Studienplatz für Medizin an der University of Nottingham in Aussicht. Nach außen wirkte er wie der perfekte Sohn.

Tatsächlich lebte Brian Blackwell in einer erfundenen Parallelwelt. Gegenüber seiner Freundin gab er sich als Profitennisspieler mit einem Sponsorenvertrag bei Nike aus, prahlte mit einem Mercedes im Wert von 60.000 Pfund und einer Eigentumswohnung für 450.000 Pfund. Einen Scheck über 39.000 Pfund, den er ihr ausstellte, ließ er platzen. Um seinen Lebensstil zu finanzieren, beantragte er 13 Kreditkarten auf den Namen seines Vaters und versuchte, mit der erfundenen Profikarriere Bankkredite zu erschleichen. Als seine Mutter den Betrug entdeckte, wandte sie sich an die Bank, ihrem Sohn drohte die Entlarvung.

Die Tat

Am 25. Juli 2004, wenige Tage bevor er mit seiner Freundin in die USA reisen wollte, tötete der 18-Jährige seine Eltern in deren Haus in Melling. Er schlug seinen 72 Jahre alten Vater Sydney mit einem Kreuzhammer nieder und stach anschließend mehr als 30-mal mit einem Küchenmesser auf ihn ein. Seine 60 Jahre alte Mutter Jacqueline schlug er bewusstlos und stach danach etwa 20-mal auf sie ein, ihre Leiche fand sich später in der Badewanne. Vor Gericht behauptete er später, seine Eltern hätten versucht, ihn von der geplanten USA-Reise abzuhalten.

Statt die Tat zu melden, trat er die Reise wie geplant an. Seine Freundin ahnte während der gesamten Zeit nichts von den Morden. Erst Anfang September kehrte er zurück und zog vorübergehend bei ihr ein, mit der Ausrede, er sei aus dem eigenen Haus ausgesperrt, während seine Eltern angeblich in Spanien Urlaub machten.

Entdeckung und Ermittlung

Erst am 5. September 2004, mehr als sechs Wochen nach der Tat, entdeckte die Polizei die stark verwesten Leichen, nachdem Nachbarn wegen des Geruchs Alarm geschlagen hatten. Am folgenden Tag nahmen Ermittler ihn fest und klagten ihn wegen zweifachen Mordes an. Er stritt zunächst jede Beteiligung ab, gestand später die Tötungen, beharrte aber darauf, in Notwehr gehandelt zu haben.

Prozess und Diagnose

Am 29. Juni 2005 bekannte er sich vor Gericht in zwei Fällen des Totschlags aufgrund verminderter Schuldfähigkeit schuldig, die Anklage nahm das Geständnis an. Gutachter diagnostizierten bei ihm eine ausgeprägte narzisstische Persönlichkeitsstörung: Menschen mit dieser Störung neigten dazu, in Wut zu geraten, sobald ihre Fantasiewelt infrage gestellt werde, hieß es unter Berufung auf die Sachverständigen. Es war der erste Fall in England, in dem eine narzisstische Persönlichkeitsstörung als Grundlage für eine verminderte Schuldfähigkeit anerkannt wurde. Der Richter verurteilte ihn zu lebenslanger Haft und äußerte, es erscheine unwahrscheinlich, dass eine spätere Entlassung je infrage komme.

Nachwirkungen

Brian Blackwell verbüßte seine Strafe zunächst in der Jugendstrafanstalt Swinfen Hall. Entgegen der ursprünglichen Einschätzung des Richters gewährte ihm die zuständige Bewährungskommission 2016 nach einer mündlichen Anhörung die Entlassung auf Bewährung. Der Fall gilt in Großbritannien bis heute als Lehrbeispiel dafür, wie eine bis ins Detail ausgebaute Lügenwelt eskalieren kann, wenn die Wahrheit sie zu zerstören droht.

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